Exemplarisch
Erst 1999, mehr als drei Jahrzehnte nach ihrer Uraufführung, fand Astor Piazzollas «María de Buenos Aires» den Weg auf eine deutsche Bühne. Katja Czellniks Kieler Inszenierung (siehe OW 12/1999) galt als durchaus exemplarisch. Diesen Rang dürfte ihr die von Andreas Kriegenburg verantwortete Bremer Produktion des Werks nun streitig machen. Denn sie hat, was Czellniks symbolistisch verrätselter, in einem klinischen weißen Einheitsraum angesiedelter Kieler Werkdeutung damals fehlte: Atmosphäre.
Den Duft des Tangos, das Flair der (argentinischen) Metropole, ihres Glanzes und ihrer Unterwelt – genau jene Stimmung also, die Piazzollas Musik und die surrealen Texte des uruguayanischen Lyrikers Horacio Ferrer in jedem Moment ausstrahlen.
In Bremen hat Harald Thor als Spielraum ein auf clair-obscur gedimmtes Tango-Etablissement auf die Bühne gestellt. Während eines Vorspiels, zu dem ein Bandoneonspieler improvisierte Klänge hören lässt, füllt es sich langsam mit Tänzern. Man begrüßt einander, zieht sich um, probiert die Schuhe. Das Bandoneon zitiert die Habanera aus Bizets «Carmen», dazu marschiert machohaft eine Männergruppe auf. Und schon beginnt der Tanz – und damit die «Tango Operita».
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Gerhart Asche
In der Kürze liegt die Würze, meint das Sprichwort. Die Engländer sagen’s ebenso prägnant, schließlich ist Shakespeare der Urheber der Wendung: «Brevity is the soul of wit», weiß Polonius in «Hamlet». Händel muss das Prinzip gekannt haben, als er seine Oper «Partenope» schrieb, die 1729 im King’s Theatre, Haymarket, uraufgeführt wurde: An Stelle von langwierigen,...
Ich habe einen Hang zur Faulheit. Meine neueste Lebensentscheidung kann man deshalb nur als Irrsinn bezeichnen. Ich geb jetzt nämlich auch den Regisseur. Warum denn nicht? Zwei wichtige Voraussetzungen bringe ich mindestens mit: eine ordentliche Portion Arroganz und ein schrilles Outfit für die Premiere.
Vorgestellt hatte ich mir das folgendermaßen: Inspirierende...
«Das Vertrauen junger Menschen erwirbt man am besten dadurch, dass man nicht ihr Vater ist»: Der Aphorismus von Henry de Montherlant könnte als Gebrauchsanweisung für Verdis «Luisa Miller» (1849) dienen. Luisa und ihr Geliebter Rodolfo würden dem Franzosen dafür vermutlich all die Rosen streuen, die in Paul Esterházys Grazer Inszenierung so reichlich appliziert...
