Editorial
«Was zählt, ist die Transgression, die Überschreitung. Man muss immer weiter gehen», sagte Pierre Boulez 2003 im «Opernwelt»-Gespräch. Damals war er noch beinahe alterslos, strotzte vor Elan. Als wir ihn zehn Jahre später in Luzern wiedertrafen, ahnten wir, dass die Kräfte zu schwinden drohten – geistig wirkte er hellwach, doch körperlich geschwächt. Am 5. Januar hat Boulez, der als Komponist, Dirigent und Musikpolitiker unermüdlich Horizonte dehnte, Raum für Rares und Neues schuf, die letzte Grenze überschritten. Mit ihm verließ uns ein «Jahrhundertkünstler» (Seite 30).
Überhaupt ist dies ein Heft der Abschiede. Mit dem Tod des 90-jährigen Boulez, der die letzten Monate zurückgezogen in seiner Wahlheimat Baden-Baden lebte, mussten wir rechnen. Auch Kurt Masur erreichte ein hohes Alter: Fünf Monate nach seinem 88. Geburtstag ist der wohl einflussreichste Kapellmeister aus der DDR im amerikanischen Greenwich gestorben. Der Dirigent Hartmut Haenchen erinnert in einem persönlichen Text an einen Künstler, der vielen Musikern, manchmal im Verborgenen, zur Seite stand (Seite 70). Die Berliner Mezzosopranistin Stella Doufexis hingegen wurde durch eine schwere Krankheit mitten aus dem Leben ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Es war ein Sängerfest, als sich 2011 fünf Countertenöre – Philippe Jaroussky, Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli, Valer Sabadus und Yuriy Mynenko – erst im Aufnahmestudio, dann auf der Bühne und schließlich für eine Tournee zusammenfanden, um Leonardo Vincis letzte, 1730 in Rom uraufgeführte Oper «Artaserse» nach über zweihundertjährigem Archivschlaf...
Die letzten Jahre haben es nicht gut gemeint mit ihnen: Rolando Villazón und Roberto Alagna schienen eher mit Krisenmanagement in eigener Sache als mit einer gesunden, ihrem Tenor-Material angemessenen Entwicklung der jeweiligen Karriere beschäftigt. Mit ihren jüngsten CD-Recitals suchen die beiden Star-Sänger nun verlorenen Boden zurückzugewinnen und ihren Rang im...
Doppelte Premiere in Wien: Noch nie war Leos Janáceks «Vec Makropulos» an der Staatsoper zu sehen – nur an der Volksoper hatte Christine Mielitz die Oper 1993 in deutscher Sprache inszeniert. Sein Hausdebüt feierte auch Peter Stein, von dem bislang nur die Übernahme von Verdis «Simon Boccanegra», den er für die Salzburger Osterfestspiele inszenierte hatte, an der...
