Wunder gibt es immer wieder
So wenig Held war Lohengrin selten. Ein unauffälliger, ältlicher Mann in dunkelgrauem Mantel, der unbeachtet auf seinem Reisekoffer mitten im Volk von Brabant herumsitzt. Nicht einmal ein Schwert hat er dabei – das muss er sich für seinen Kampf gegen Telramund mal eben bei einem konsternierten Edlen leihen.
Aber da ist ja Elsa, das somnambule Mädchen, das unverbrüchlich daran glaubt, dass dereinst ein strahlender Prinz kommen wird, um sie zu retten.
Und weil der Glaube bekanntlich Berge versetzt, sorgt er für das nötige Wunder und verwandelt den grauen Kofferträger in einen strahlend-weißen Hoffnungsträger.
Weil nun nicht nur Elsa glaubt, dass es immer wieder Wunder gibt, sondern auch das Volk, schickt es stante pede den bis dato allseits geschätzten, aber recht rüden Feldherrn Telramund in Acht und Bann und läuft mit fliegenden Fahnen zum neuen Star über. Schon wird es zeitweilig hell in der düsteren Provinz, und selbst die zerschlissenen Viebrock-Mustertapeten, mit denen Ausstatter Stefan Rieckhoff die bedrückend steilen Wände beklebt hat, sehen auf einmal viel weniger schmuddelig aus. Meterhohe Schwanenfedern dominieren das Ambiente, eine schöne Reminiszenz an das kleine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die die Gruppe zusammenkittende Tanzmusik dieser Jugendgang kommt aus dem Gettoblaster, ihr Anführer namens «Duca» grabscht alles Weibliche in seinem Gesichtskreis schamlos ab, und dann ist da noch der behinderte Kerl, der dem Chef die Chicks zuführt. Nicht so sehr der treffgenaue, gut funktionierende Verdi-Verfremdungswitz dieser «Rigoletto»-Inszenierung im...
Die Erstveröffentlichung des Bayreuther «Ring» von 1955 unter Joseph Keilberth haben wir an dieser Stelle als kleine Sensation ausführlich gewürdigt (siehe OW 4/2007). Nun legt das britische Label Testament mit einem weiteren historischen «Ring» nach, der bisher nur als klanglich fragwürdige Piratenaufnahme existierte. Es handelt sich um den Londoner Zyklus von...
Über die szenische Einrichtung geistlicher Werke lässt sich trefflich streiten. Was haben ein Requiem, ein Stabat mater, ein Oratorium auf der Tanz- oder Opernbühne zu suchen? Ging es Bach, Händel, Mozart, Mendelssohn – bei allen Unterschieden im musikalisch-theologischen Selbstverständnis und in den historischen Parametern – nicht primär um die Verkündigung...
