Belebte Zeichen
Über die szenische Einrichtung geistlicher Werke lässt sich trefflich streiten.
Was haben ein Requiem, ein Stabat mater, ein Oratorium auf der Tanz- oder Opernbühne zu suchen? Ging es Bach, Händel, Mozart, Mendelssohn – bei allen Unterschieden im musikalisch-theologischen Selbstverständnis und in den historischen Parametern – nicht primär um die Verkündigung spiritueller, aus biblischen Erzählungen gewonnener Wahrheiten? Wird man diesen Werken nicht eher durch eine Haltung asketischer Kontemplation gerecht als durch bildmächtige Aktion? Sprechen die Texte und die Musik nicht für sich? Was ist gewonnen, wenn zu Wort und Klang die (Bewegungs-)Sprache von Körpern, das Vokabular von Gesten, Kostümen und Raumbildern tritt?
Andererseits: In jedem geistlichen Opus steckt immer auch ein Stück Handlung. Kaum eines zielt auf reine Meditation. Die Prophetien des Alten Testaments und die Geschichte(n) vom Leben und Sterben Christi – sie berichten immer auch von (prototypischen) menschlichen Konstellationen, die eine Visualisierung nahelegen. Wenn Choreografen wie John Neumeier oder Regisseure wie Götz Friedrich und Dietrich Hilsdorf Bach «inszenieren», wenn Achim Freyer Verdis «Requiem» als ...
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Etwas ist anders als sonst. Nicht allein liegen die Rheintöchter dort drunten, auf dem Grund des ruhenden Flusses, sondern als Teil einer Art Jeunesse dorée, die sich müßig dem Tage entgegenräkelt, nicht wissend, welch Ungemach droht. Parallel zur Musik, die das einfühlsam beschreibt, umreißt Richard Lowes Choreografie dieser Szene die Morgenstimmung einer...
Was wohl mag Georg Friedrich Händel bewogen haben, den Londonern im Jahr 1744 statt des gewohnten Oratoriums die Vertonung eines vierzig Jahre alten Opernlibrettos vorzusetzen, noch dazu ein Werk William Congreves, des Großmeisters der englischen «Comedy of Manners», die zu diesem Zeitpunkt längst aus der Mode war? Deren Kennzeichen ist die hochentwickelte und...
Der Spruch passt einfach zu gut zur Eisenacher Situation: «Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist». Nahezu alle lokalen Blätter haben ihn, neben dem in solchen Fällen immer sehr beliebten «Der letzte Vorhang fällt», zur Premiere der «Fledermaus» am Landestheater Eisenach in die Überschrift gehievt. Denn es war die letzte eigenständige...
