Belebte Zeichen

Christof Nel und René Jacobs suchen in Berlin den spirituellen Kern von Händels dramatischem Oratorium «Belshazzar»

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Über die szenische Einrichtung geistlicher Werke lässt sich trefflich streiten.

Was haben ein Requiem, ein Stabat mater, ein Oratorium auf der Tanz- oder Opernbühne zu suchen? Ging es Bach, Händel, Mozart, Mendelssohn – bei allen Unterschieden im musikalisch-theologischen Selbstverständnis und in den historischen Parametern – nicht primär um die Verkündigung spiritueller, aus biblischen Erzählungen gewonnener Wahrheiten? Wird man diesen Werken nicht eher durch eine Haltung asketischer Kontemplation gerecht als durch bildmächtige Aktion? Sprechen die Texte und die Musik nicht für sich? Was ist ­gewonnen, wenn zu Wort und Klang die (Bewegungs-)Sprache von Körpern, das Vokabular von Ges­ten, Kostümen und Raumbildern tritt?
Andererseits: In jedem geistlichen Opus steckt immer auch ein Stück Handlung. Kaum eines zielt auf reine Meditation. Die Prophetien des Alten Testaments und die Geschichte(n) vom Leben und Sterben Christi – sie berichten immer auch von (prototypischen) menschlichen Konstellationen, die eine Visualisierung nahelegen. Wenn Choreografen wie John Neumeier oder Regisseure wie Götz Friedrich und Dietrich Hilsdorf Bach «inszenieren», wenn Achim Freyer Verdis «Requiem» als ...

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Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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