Wunden statt Wunder
Wer Roland Schwab als Regisseur für Wagners «Lohengrin» verpflichtet, darf sich nicht wundern, dass es kein blaues Wunder gibt. Stattdessen: Katastrophe, wohin das Auge reicht. Schwab konfrontiert es mit einem Flugzeugwrack, das die 40-Meter-Breitwandbühne der Salzburger Felsenreitschule spektakulär ausfüllt (Piero Vinciguerra). Dort spielt das vergleichsweise bescheiden dotierte Landestheater einmal in der Saison in Festspieldimensionen.
Die Maschine der Brabanter Airline ist zerschellt, zerborsten, ausgebrannt.
Die Überlebenden sind zwar von staunenswerter Gesundheit, aber schwer traumatisiert. Was sie nicht hindert, alsbald eine Partygesellschaft zu mimen. Der Heerrufer zuckt wie ein Nervenbündel über die Bühne, der blinde König Heinrich legt sich eine goldene Survival-Folie um die Schultern und redet von Frieden und neuem Krieg. Dazu prangt in den obersten Arkaden des Schauplatzes in Großbuchstaben das Wort GLAUBEN. Wenn die roten Neonlettern erlöschen, sobald Elsa die ominöse Frage stellt, kann der Regisseur auch noch seinem Hang zur Pyromanie nachgeben: Das Sprengstoffkommando Telramund leistet letzte Arbeit, der Attentäter kommt dabei ums Leben.
Das ist nicht alles an den ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Karl Harb
Was für ein verrückter Abend! Unbotmäßig und aberwitzig ist er, irritierend, inspirierend, intrikat, frech, voller Fantasie, Furor und Finesse. Kurz: ein Abend wie ein Rausch, der vorüberfliegt. Oder auch wie die Reise durch eine Matrix, aus der es definitiv kein Entrinnen gibt.
Gespielt, getanzt (und gerannt) wird Mozarts «Don Giovanni». Aber dieser...
Forschend blickt Christian Gerhaher auf dem Cover dem Betrachter ins Auge, an einen aufmerksamen Psychiater gemahnend. Wer könnte der Patient sein? Robert Schumann selbst? Clara? Wohl sind die «Myrthen», op. 25, die der Komponist seiner geliebten Braut 1840 am Vorabend der Hochzeit metaphorisch ins Haar wand, «eines der schönsten je einem liebend geliebten...
Achtung: Spoiler-Alarm. So heißt es ja neuerdings, wenn man etwas verrät, was der Leser vielleicht (noch) gar nicht wissen will. Aber Gastregisseur Vasily Barkhatov hat vorab im Programmheft preisgegeben, was seine «Tosca» von anderen unterscheidet: Der Täter ist hier auch Opfer. Und opfert sich bewusst – durch die Tat einer anderen. Verwirrt?
Denkfaulere...
