Problemfall «Rigoletto»
Ein Vater, der in seinem Brotberuf Zyniker vom Dienst ist, seine junge Tochter wegsperrt, sie nur zum Kirchenbesuch aus dem Haus lässt und ihr verheimlicht, wer ihre Mutter war.
Wie soll man das heute inszenieren? Wo soll eine zeitgemäße Interpretation ansetzen, wenn ein notorischer Erotomane gehobenen Standes, der jede Frau umsonst haben kann, sich mit einer Prostituierten vergnügt? Wie lässt sich eine 1851 in Venedig uraufgeführte Schaueroper plausibel darstellen, die auf einem überkommenen Gesellschafts-, Männer- und Frauenbild fußt? Ist Giuseppe Verdis «Rigoletto» überhaupt noch glaubhaft über die Rampe zu bringen?
Seit Mitte September ist am Mainfranken Theater in Würzburg zu besichtigen, dass es geht. Regisseur Markus Trabusch und Dirigent Enrico Calesso weichen diesen Fragen nicht aus, sie finden atemraubende Antworten – auch und gerade aus weiblicher Sicht. Die Partygesellschaft, die sich zu Beginn vor und hinter den Stegplatten aus Acrylglas vergnügt, lebt in einer sehr heutigen Lebenswelt (Bühne und Kostüme: Susanne Hiller). Aber niemandem wird hier einfach ein MeToo-Label angeheftet. Die Gräfin Ceprano in ihrem pinken Cocktailkleid ist kein willenloses Opfer, sie ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Monika Beer
Weder Oper noch Oratorium. Nicht für die Bühne noch für sakrale Räume gedacht, sondern als «Dichtung» für den Konzertsaal. Robert Schumann stellte sich für das 1843 mit großem Erfolg in Leipzig uraufgeführte Werk «heitere Menschen» vor. «Das Paradies und die Peri»: eine unvergleichliche Komposition, inspiriert durch das erstmals 1817 erschienene Epos «Lalla Rookh»...
Es ist ein Opernabend der anderen Art. Im ausverkauften Opernhaus von Baku freilich gehört die Aufführung von «Leyli und Madschnun» zum festen Ritual eines dem aserbaidschanischen Komponisten Uzeyir Hadschibeyli gewidmeten Festivals. Während auf der Bühne das große Liebesdrama zelebriert wird, leuchten im Publikum unentwegt Handys auf, es wird fotografiert und...
Das Verhältnis zwischen Alter und Neuer Welt ist von jeher gespannt und gespalten, zwischen Faszination und Abwehr, Verklärung und Verteufelung: eine Polarität, die sich seit Donald Trump noch dramatisch verschärft hat. «Seine» USA sind für viele vollends zum globalen Feindbild geworden. Aber selbst die Kultur ist von Schizophrenien geprägt. So dichtete Goethe:...
