Wuchtiges Oratorium
Manchmal sind Inhaltsangaben im Programmheft unverzichtbar. Wie im Fall des Freiburger «Simon Boccanegra». Und manchmal stiften sie nur Verwirrung. Wie im Fall des Freiburger «Simon Boccanegra». Beides ist auf die Inszenierung von Marcus Lobbes zurückzuführen, der mit seiner Variante von Kagels «Der mündliche Verrat» zum Freiburger Spielzeitauftakt die Rituale des Theaterbetriebs höchst originell – und okkult – ins Visier genommen hatte. Dieses Mal versagt seine Originalität.
Ein Einheitsraum (Bühne: Dirk Becker), Dekonstruktion der Stückdramaturgie und ein konsequentes Negieren von Verdis musikalischer Affektsprache sind die Insignien dieser Deutung. Ein Traumspiel? Vielleicht. Eine Vermittlung der Konzeption bleiben Regie und Dramaturgie (Dominica Volkert) gleichermaßen schuldig.
Erkennbar ist nur so viel: Boccanegras Gifttrank markiert die Peripetie der Aufführung. Zuvor ereignet sich das Geschehen in den bunten, originellen Kostümen Victoria Behrs, die jedem Fantasy-Film zur Ehre gereichten. Danach tragen alle Zivil – schwarze Gegenwartskleidung. Oratorisch bleibt die Regie, der man mit etwas bösem Willen den Tatbestand groben Unfugs unterstellen könnte, allemal.
Was der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Glucks «Orfeo ed Euridice» ist eine, Haydns «Acide» ist auch eine – eine «azione teatrale» oder auch «festa». So nannte man Stücke, die zu bestimmten Festanlässen komponiert wurden. Während die Gluck-Oper Triumphe feierte, verschwand Haydns Werk rasch aus dem öffentlichen Bewusstsein. Entstanden war «Acide» aus Anlass einer Hochzeit: Als der älteste Sohn des...
Man denkt nicht gleich an Oper, wenn von Malta die Rede ist. Ist es doch vor allem die Architektur aus 5000 Jahren, das unvermittelte Nebeneinander von arabischer und christlicher Kultur, von Mittelalter und Renaissance, die dieser Insel ihre touristische Anziehungskraft geben. Oper gespielt wird hier, mit Unterbrechungen, seit der Barockzeit. Malta hat einige...
«Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Wolkendunkel die Völker»: Die Worte des Jesaja, die Händel in seinem «Messiah» vertonte, scheinen prophetisch gerade auch für unsere Zeit. Und die Tumulte in der Londoner City anlässlich des nach rettenden Lösungen suchenden Wirtschaftsgipfels passierten ein paar hundert Meter Luftlinie vom Royal Opera House Covent...
