Täteropfer, Opfertäter

Über Janáceks «Totenhaus» in Hannover, inszeniert von Barrie Kosky und dirigiert von Wolfgang Bozic

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Ein Entrinnen gibt es nicht. Für niemanden. Nicht einmal für Alexandr Petrovic Gorjancikov, dem der Platzmajor am Ende doch eigentlich die Freiheit schenkt. Und wie alle Gefangenen in Leos Janáceks visionärer Gulag-Oper scheint dieser Gorjancikov schon immer zu der uniformen Masse zu gehören, die während des Vorspiels und zu den finalen Orchestertönen reglos auf einer schrundigen Betonschräge hockt. In Reih und Glied, unter gleißendem Licht. Zerschlissene Jeans, steingraue Sweatshirts, über den Kopf gezogen, tilgen jede Individualität.

Ein gespenstisch ruhiges Bild, frostig, suggestiv. So geht es los, bevor die Tenöre des Chores (von Dan Ratiu vorzüglich einstudiert)  über den «Adeligen» tuscheln, der bald kommen soll, und die ersten Häftlinge brutal aufeinander losgehen. Doch der Neue, er ist längst unter ihnen. Der weiße Anzug, den Gorjancikov (Jin-Ho Yoo) trägt, ist nur eine Verkleidung, so wie der Fummel für die bitterbösen Burlesken um Kedril, Don Juan und die hübsche Müllerin, die im zweiten Akt über die karge Spielfläche poltern. Es dauert nicht lange, da ist er, windelweich geschlagen und mit Fäkalien übergossen, wieder einer von ihnen, wienert mit bloßen Händen ein ...

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Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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