Mal ehrlich... Aus dem Leben eines Taugenichts

Opernwelt - Logo

Es heißt ja immer, Sänger seien so entsetzlich dumm. Ich will auch gern zugeben: Nicht jeder Kollege ist so helle, dass man eine Sonnenbrille braucht. Trotzdem ist das Klischee nicht fair. Viele  Sänger, die ich kenne – vor allem viele Sänger, die ich nicht bloß kenne, sondern auch mag – waren auf der Uni. Nicht, um Gesang zu studieren. Vier sind fähige Komponisten. Ich selbst wäre fast Ökonom geworden, auch wenn das, zugegeben, der Weltwirtschaft eher geschadet hätte. Andere haben Abschlüsse in Jura, Medizin, Zoologie, Geschichte und Biochemie.

Einer ist Fachmann für Hexenkunst. Sie alle verdingen sich mit Singen, und ein paar sind sogar richtig berühmt. Ich behaupte also – selbstverständlich ohne irgendwelche statistischen Belege –, dass der Durchschnitts-IQ bei Sängern ziemlich hoch liegt.

Bloß: Es hat so seine Nachteile, wenn es auf der Probebühne von Intelligenzbestien wimmelt. Unglaublich, wie viel Zeit man mit abgründigen Gesprächen über die verborgenen Bedeutungsebenen eines Shakespeare’schen Verses verschwenden kann. Oder mit wissenschaftlich unterfütterten Streitereien über die stilistische Authentizität einer bestimmten Verzierung. Neulich verwickelte so ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Christopher Gillett

Weitere Beiträge
Der Kälte ausgeliefert

Als eine der wenigen romantischen Belcanto-Opern ist Bellinis «Sonnambula» nie ganz von den Spielplänen verschwunden und hat als Virtuosenfutter für Primadonnen überlebt. Erst Maria Callas hat die ja nur scheinbar harmlose Idyllik der nachtwandelnden Amina expressiv aufgebrochen. Aber es sollten nochmals weitere fünfzig Jahre vergehen, ehe es dem Regieduo Jossi...

Das Leid der ganzen Welt

Zwölf Jahre liegen zwischen den Uraufführungen von John Adams’ dramatischen Oratorien «El niño» (2000) und «The Gospel According to the Other Mary». In der Zwischenzeit konnten sich seine Opern «Nixon in China» (1987) und «The Death of Klinghoffer» (1991) als moderne Klassiker etablieren, während «Doctor Atomic» (2005) es da aufgrund der weitschweifigen Dramaturgie...

«Betulia liberata» in Potsdam

Kurios, Mozarts frühe azione sacra: Alle Zeit der Welt wird da mit einem Gottesbeweis zugebracht. Ozìa, Fürst der belagerten Stadt Betulia (Anicio Zorzi Giustiniani), versucht Anchior (István Kovács) zu missionieren, einen Prinz aus dem feindlichen Lager. Mit Vernunft, wohlgemerkt: Da weht der Geist der Aufklärung. Besonders anschaulich ist das natürlich nicht –...