Wo die wilden Kerle wohnen
Wälder, Felder, Schlösser, Burgen, ein Bus Richtung «Buchenwald»: Mit der Ouvertüre zu Verdis «I masnadieri» nach Schillers Erstlingsdrama «Die Räuber» hebt eine sentimental-ironische Dia-Show thüringischer Heimatbilder an. Zum elegischen Cello-Solo, über eine verschneite Feldlandschaft projiziert, folgt sodann die Prämisse des Weimarer Theaterabends: Man habe Mitglieder der rechts- und linksradikalen Szene im Land nach ihren Ansichten, Ängsten und Hoffnungen befragt.
Volker Löschs Inszenierung kommt zunächst als Dokumentarfilm daher, dessen Vorspann über eine vor die Bühne gespannte Leinwand flimmert. Die Musik ist Soundtrack.
Mit Beginn der Handlung erfolgt ein Medienwechsel: Die Leinwand hebt sich, nun hängen statt klassischer Übertitel riesige Sprechblasen in den Raum, in denen vornehmlich Ausschnitte der im Vorspann erwähnten Gespräche erscheinen. Die Oper wird zum Comic-Strip, dessen einzelne Bilder durch Blacks scharf voneinander abgesetzt sind. Zwischen den Nummern, wieder auf großer Leinwand eingeschoben, schlagen Zusammenfassungen des Geschehens inhaltliche Brücken vom Libretto zur neuerfundenen Dokumontage: Da sehnt sich Karl Moor nach dem starken Führer und trauert der ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Katharina Duda
In Verdis «Don Carlos» hat die Macht eine Stimme. Doch anders als der Großinquisitor bleibt sein französischer Verwandter Kardinal Richelieu in diesem Stück stumm – ein dunkler Fürst, der nun, provoziert vom Marquis de Cinq-Mars, für einen Zeithauch ins Wanken gerät. Einiges erinnert bei Charles Gounod an das Kräfteviereck im populären anderen Werk. Auch bei Gounod...
In amerikanischen Opernhäusern geht es richtig streng zu. Man darf keine Kraftausdrücke benutzen, duldet kein sogenanntes «unangebrachtes Verhalten am Arbeitsplatz», sogar ob man Parfüm trägt, kann man nicht selbst entscheiden. Fluchen, Knutschen, Sprühen? Pustekuchen. Die ersten beiden Punkte regeln sich ganz von selbst, dafür sorgt schon die allgemeine Prüderie....
Sucht man nach einer Art Gegenentwurf zu den vor allem in den Neunzigerjahren medial in Szene gesetzten Arena-Veranstaltungen der «Drei Tenöre», so dürfte man einen solchen, subtil ins Hausmusikalische gewendeten Kontrapunkt in der neuen Aufnahme mit Christoph und Julian Prégardien finden. Vater und Sohn gestalten, begleitet von dem stets inspirierten Pianisten...
