Wo aber sind die Genies?
Pietro Antonio Domenico Bonaventura Trapassi war der Erste. Unter seinem Künstlernamen Pietro Metastasio schrieb der italienische Dichter Hunderte von Libretti, die nicht nur den Grundstein für eine außergewöhnliche Kunstform legten, sondern zugleich ihren fortwährenden Ruhm begründeten; noch heute betören Metastasios Schöpfungen durch ihren Erfindungsreichtum, durch die ingeniöse Art und Weise, augenzwinkernd und nicht selten mit maliziösem Grinsen moralische Geschichten zu erzählen.
Zum Glück für die Opernwelt besaß der Urvater des Librettos einige Nachfolger, die ihren jeweiligen komponierenden Partnern auf dem gleichen Niveau unter die Arme griffen: Was wäre Mozart ohne Lorenzo da Ponte gewesen? Woher hätten Rossini, Donizetti, Bellini (und noch einige andere wie zum Beispiel Meyerbeer) die nötige Inspiration gefunden, wären sie nicht Felice Romani begegnet? Wie wäre Verdi ohne die dichterische Noblesse eines Francesco Maria Piave und später eines Arrigo Boito verfahren? Und welche Stoffe hätte Richard Strauss wohl ohne Hugo von Hofmannsthal, den Dichter der Empfindsamkeit und Verwandlung, in gleicher Weise vertonen können? Mochte das musikalische Genie noch so eklatant, so ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Medien, Seite 40
von Jan Verheyen
Die musikalische Magie der letzten Szene wirkt immer. Zunächst nimmt die hohe Feenwelt mit ihrem wundersam galanten, überirdisch in Fis-Dur glitzernden Prozessionsmarsch Abschied: Oberon, Tytania und auch ihr ganzer Hofstaat, hier blitzsauber gesungen und witzig dargestellt von den hervorragenden Kindern der Singschul’ der Oper Graz. Man will sie ob der...
Schwör mir keine Treue, leist mir keinen Eid», singen Báron Pista und die Generalkonsulstochter Lya in einer der bekanntesten Nummern der «Frau von Format», die damals aus vielen Grammophonen tönte. 1927 kam die revueartige Operette am Berliner Theater des Westens heraus. Und natürlich ist weder Pista ein echter Baron noch Lyas Vater ein echter Generalkonsul: Wie...
Am «Woyzeck» hat Regie-Altmeister Johan Simons einen richtigen Narren gefressen. Dreimal brachte er Georg Büchners Schauspiel auf die Bühne, zuletzt in einer Koproduktion von Burgtheater, Schauspielhaus Bochum (wo Simons seit 2018 Intendant ist) und Akademietheater. 2019 erhielt diese den Nestroy-Preis für die beste Regie. Jetzt nahm sich Simons, der in diesem Jahr...
