Hundert Jahre Abgrund

Zum anstehenden Jubiläum widmen sich zwei Häuser sehr eindrücklich Bergs «Wozzeck»: die Vlaamse Opera in Antwerpen und das Staatstheater Darmstadt

Opernwelt - Logo

Am «Woyzeck» hat Regie-Altmeister Johan Simons einen richtigen Narren gefressen. Dreimal brachte er Georg Büchners Schauspiel auf die Bühne, zuletzt in einer Koproduktion von Burgtheater, Schauspielhaus Bochum (wo Simons seit 2018 Intendant ist) und Akademietheater. 2019 erhielt diese den Nestroy-Preis für die beste Regie. Jetzt nahm sich Simons, der in diesem Jahr 79 Jahre wird, in Antwerpen erstmals Bergs Büchner-Vertonung «Wozzeck» an und erklärte beim Premierenempfang nicht ohne (selbstironischen?) Stolz, diese Inszenierung sei «sein bester Woyzeck».

In der Tat ist es eine denkwürdige Jubiläumsaufführung zum 100. Geburtstag dieser Oper im Dezember, rückhaltlose Feier eines Jahrhundertwerks aus dem Geiste des Komponisten und seines Protagonisten.

Man muss nur in die Partitur schauen, sagt Simons; dort stehe doch, dass Berg seine Oper mit Zwischenvorhängen aufgeführt sehen möchte, nach jeder Szene und jedem Akt – 14 an der Zahl. Diese Vorgabe greift der Regisseur konsequent auf und kreiert damit eine Bühnenfassung, die Modellcharakter aufweist. Eindring -licher lässt sich Bergs auch dramaturgische Genialität wohl kaum manifestieren. Der Komponist versteht ja die Vorhänge ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Lotte Thaler, Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Gott, wo bist Du?

Die Geschichte ist alt, biblisch alt. Geschrieben steht sie im Ersten Buch Mose, Kapitel vier, und erzählt von jenem Mord, der als Menetekel, als Parabel, ja, als Urbild menschlicher Katastrophen taugt. Ein Bruder erschlägt seinen Bruder und wird von Gott dafür gezeichnet. Die Frage ist nur: Hat er etwas daraus gelernt? Begreift Kain, dass jenes Stigma, dass der...

Editorial Opernwelt 7/25

Man schreibt das Jahr 1897, da erscheint im damals noch offiziell zaristischen Russland ein Büchlein mit dem vielsagenden Titel «Was ist Kunst?». Der Verfasser, ein frommer, gottesfürchtiger Mann, ist längst eine lebende Legende, jedes Kind kennt seine Romane «Krieg und Frieden» und «Anna Karenina». Nun aber geht Lew Tolstoi daran, seinem Hass auf die westliche,...

Über die Schmerzgrenze hinaus

Aktueller kann Oper kaum sein: Vor gerade mal einem halben Jahr erschien die deutsche Übersetzung von Colum MacCanns «American Mother», und bereits Ende Mai kam die Uraufführung der gleichnamigen Oper im Hagener Theater heraus. Das Libretto schrieb der hochdekorierte, in Irland geborene und in New York lebende Buchautor selbst für die britische Komponistin...