Witz ohne Aberwitz

Berlin, Monteverdi: L'incoronazione di Poppea

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Man muss genau zuhören an diesem Abend. René Ja­cobs, fast möchte man schon von einem Spätstil bei ihm reden, dirigiert Monteverdis «Poppea». Es sind knapp vier Stunden von minimalistischer Wirkung. Keinerlei grobe Affekte hat Jacobs der nur als Skelett überlieferten Partitur hinzuinstrumentiert. Die Farben bleiben gedämpft, aber in sich reich, der Ton leise, aber immer subtil ausziseliert. Erzlaute, Theorbe und Harfe des brillanten Concerto Vocale sind fein aufeinander abgestimmt.

Nicht einmal wenn die von Nero verstoßene Kaisergattin Ottavia (kühl: Marie-Claude Chappuis) von Rom Abschied nimmt und ihr entsetztes «Addio» stammelt, kommen die sonst üblichen Messerstiche aus dem Orchestergraben. Stattdessen werden ein paar Akkorde sanft gezupft.
Jacobs weiß um die Intimität der venezianischen Uraufführung und weitet den Rahmen, um der Berliner Staatsoper zu geben, was sie akustisch braucht, ohne die Musik zu übermalen. Die Sänger, damit gleichermaßen unterstützt wie herausgefordert, schaffen Ausgleich zwischen dem, was man später Rezitativ und Arioso nannte: Monteverdis schlichtes, schweres «parlar cantando». Sie haben durchweg kleine Stimmen, passen sich kunstvoll ins Klangbild ...

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Opernwelt April 2006
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Stephan Mösch

Vergriffen
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