Im Innern einer Kamera
«I love you!» – Wenn Gustav Aschenbach dieses Bekenntnis seines Begehrens für den schönen jungen Tadzio am Ende des ersten Teils von Benjamin Brittens letzter Oper «Death in Venice» singt, dann ist das in der Frankfurter Erstaufführung ein Moment höchster Intimität und zugleich größtmöglicher Einsamkeit. Spots bringen Gesicht und das Weiß der Anzüge von Kim Begley und dem Darsteller des Tadzio – Laurenz Johannis Leky – zum Leuchten, aber nichts um sie herum.
Schon vorher wollte Aschenbach diesen Tadzio im Foto festhalten und zerriss dieses Dokument doch gleich, freilich nur, um es in seinem Notizbuch bis zum Ende aufzubewahren.
Bei Keith Warner hat dieser Moment weit reichende Folgen einer umfassenden symbolischen Deutung: Den ganzen Abend über bewegen zwölf Statisten wie aus dem japanischen Theater ein Gehäuse, das den Verstrebungen einer alten Kamera gleicht – ins Riesenhafte vergrößert und auf einer Seite mit durchsichtiger Gaze verbunden. Im zweiten Teil wird diese Kamera – in ihre Bestandteile aufgelöst – zu Bilderrahmen für verschiedenste Schauplätze. Wenn sich aber im Hintergrund der Rundhorizont öffnet, dann blendet nur grelles, gesichtsloses Weiß den Zuschauer. Erst am ...
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