Pioniertat mit Referenzcharakter

Alan Curtis und Il Complesso Barocco rekonstruieren Vivaldis «Motezuma»

Seit die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli ihr binnen kurzem zum Bestseller avanciertes Vivaldi-Recital vorstellte, ist das Interesse an den musikdramatischen Werken des «roten Priesters» sprunghaft angestiegen. Und schon lange beschränkt sich die Wiederentdeckung Vivaldis als Opernkomponist nicht mehr auf die Veröffentlichung erlesener ­Arien-Paraden.

Das französische Label naïve etwa treibt, beflügelt von der öffentlichen Resonanz, mit Macht eine groß angelegte Vivaldi-Edition voran, in der zuletzt eine Einspielung des «Tito Manlio» erschienen ist – ein 1718 in Auftrag gegebenes «Dramma per musica», das nahezu zeitgleich bei cpo herauskam (siehe OW 2/2006). Zuvor hatte Virgin bereits das späte Pasticcio «Bajazet» (1735) erstmals auf Tonträger dokumentiert – eine Arbeit, für die Vivaldi im Wesent­lichen Stücke aus früheren Werken oder ­Arien anderer Komponisten recycelte (siehe OW 5/2005). Auch der Branchenprimus Universal wollte da nicht tatenlos zuschauen: Nach einer Studioproduktion der Serenade «Andromeda liberata» legte die Archiv Produktion nun die erste Gesamtaufnahme ­jener im November 1733 uraufgeführten Oper «Motezuma» vor, die erst 2002 von dem jungen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: CDs, Seite 60
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Historische Lektion

Mit einer Vorstellungsdauer von über vier Stunden ist «Lotario», Hauptattraktion der 29. Händel-Festspiele, selbst für eingefuchste Händel-Fans ein ziemlich harter Brocken. Wie offenbar auch schon im Urauffüh­rungs­jahr 1729 in London. Nummer sechsundzwanzig (von insgesamt fünfundvierzig) der Opern Händels, stellt das Dramma per musica in tre atti nach einem...

Witz ohne Aberwitz

Man muss genau zuhören an diesem Abend. René Ja­cobs, fast möchte man schon von einem Spätstil bei ihm reden, dirigiert Monteverdis «Poppea». Es sind knapp vier Stunden von minimalistischer Wirkung. Keinerlei grobe Affekte hat Jacobs der nur als Skelett überlieferten Partitur hinzuinstrumentiert. Die Farben bleiben gedämpft, aber in sich reich, der Ton leise, aber...

Eher routiniert als inspiriert

Katharina die Große, die diese Buffa in Auftrag gegeben hatte, war entzückt davon und ließ sie sich immer wieder vorspielen. Von Petersburg aus, wo sie 1779 ihre Uraufführung erlebten, kamen die «Astrologi immaginari» durch halb Europa. Joseph II., auch er ein Bewunderer, brachte sie nach Wien, wo sie 1781 unter dem Titel «Die eingebildeten Philosophen»...