Pure Schönheit
Fürwahr, der hanebüchene Plot des zu Weihnachten 1833 an der Mailänder Scala uraufgeführten Werks geht in diesem Fall nicht auf das Konto des Librettisten. Im Gegenteil, Felice Romani tat alles, um die Knoten der schauerromantischen Tragödienvorlage Victor Hugos zu entwirren. So wird die in Venedig und Ferrara angesiedelte Handlung überhaupt erst nachvollziehbar: Da ist der junge, unwissentlich in die eigene Mutter (Lucrezia Borgia) verliebte Offizier Gennaro. Die indes sinnt nach erlittenen Schmähungen auf Rache an den Freunden des jungen Mannes. Wie sich versteht, mittels Gift.
Gennaro und seine Gefährten trinken aus demselben Pokal. Lucrezia gibt sich als seine Mutter zu erkennen. Sie will ihm Gegengift reichen. Er schlägt es aus. Und stirbt mit den Freunden.
Donizettis Partitur durchtränken Kontraste. Volkstümliches wie leichtfüßige Tanzweisen schlagen unversehens ins Drama um. Kaum wird ein Brindisi angestimmt, ertönen in der Ferne schon Trauerchöre samt Totenglocke. Arien und Ensembles rütteln an überkommenen Schemata. Aufregend. Zumal Regisseurin Valentina Carrasco Funken schlägt aus dem fatalen Maskenspiel, das Lucrezia im wörtlichen wie im übertragenen Sinn sowohl mit dem ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Michael Kaminski
Wer in Düsseldorf das Opernhaus besucht, zumal wenn die Sonne scheu-warm vom Himmel auf den benachbarten Hofgarten herabblinzelt, kommt um den wohl größten Sohn der Stadt kaum herum. Und so muss man auch an diesem milden Spätwintertag sogleich an Heines Gedicht «Frühling» denken, an diese lichten, leichten Verse: «Die Wälder und Felder grünen, / es trillert die...
Verdis «La forza del destino» ist und bleibt ein Sorgenkind der Regie. Zu unüberschaubar das Gewirr der Handlung, zu lose gereiht die Szenenfolge um die Liebe zwischen der adeligen Leonora und dem «Mestizen» Alvaro aus indigenem Adel. Ein versehentlich sich lösender Pistolenschuss, die Verfolgung des getrennten Paares durch Leonoras fanatisch hassenden Bruder...
Eine todbringende Gesellschaft ist das, aber lustig anzusehen. Besondere Erheiterung schaffen jene beiden Pferde, welche die Omnibus-Kutsche, eine Vorform des öffentlichen Verkehrs, auf die Bühne ziehen. Die Pferde – nun, es sind keine Pferde, sondern Theatertiere, gespielt von Statisten, die ihre Wartezeiten in eher gekrümmter Körperhaltung und mit gewiss nicht...
