Alkohol, Punk, Rebellion

Das Staatstheater Darmstadt bringt in der Reihe «NOperas!» die Uraufführung von «Oper Otze Axt» heraus

Opernwelt - Logo

Mach dich doch selbst kaputt, bevor es jemand anders tut!», heißt es in einem Song des Punk-Pioniers Dieter «Otze» Ehrlich. Er selbst beherzigte dieses Motto bis zum Exzess. Vor 20 Jahren starb der Bandleader von «Schleimkeim» an Herzversagen. Sein früher Tod ist der tragische Schlusspunkt einer lebenslangen Rebellion. 1964 im Erfurter Ortsteil Stotternheim geboren, ließ Ehrlich Anfang der 1980er-Jahre den Geist des Punk aus der Flasche, was ihm die Bespitzelung durch die Stasi, Auftrittsverbot und mehrere Gefängnisaufenthalte einbrachte.

Doch auch das Ende der DDR bedeutete für den Musiker keineswegs Befreiung, sondern Absturz. Alkohol- und Drogenkonsum wie auch die seelischen Folgen der erlebten Repressionen setzten ihm massiv zu. In einem psychischen Ausnahmezustand tötete er im Winter 1999 seinen Vater mit einer Axt und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in einer psychiatrischen Anstalt.

Das Kollektiv «Dritte Degeneration Ost» ist nun das Wagnis eingegangen, aus diesem «Stoff» ein Musiktheater zu formen. «Oper Otze Axt», heißt die im Rahmen von «NOperas!» entstandene Produktion. Mitte Februar wurde das Stück am Staatstheater Darmstadt aus der Taufe gehoben, im April ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2025
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Silvia Adler

Weitere Beiträge
Liebe lehrt sehen

Der Bühnenbildner, so Hugo von Hofmannsthal in seinem kleinen Essay «Die Bühne als Traumbild», «muss durchs Auge gelebt und gelitten haben. Tausendmal muss er sich geschworen haben, dass das Sichtbare allein existiert, und tausendmal muss er schaudernd sich gefragt haben, ob denn das Sichtbare nicht, vor allen Dingen, nicht existiert.» Jolanthe, die Titel - figur...

Als wär's ein Stück von heut'

Auf den ersten Blick wirken seine Artefakte amorph, wie zerklüftet im Lauf der Jahre. Länger betrachtet lassen die scheibenartigen Skulpturen indes oft menschliche Gestalten erahnen, die mit der Zeit ihre Eigenart verloren haben: Gesichter, kaum noch erkennbar. Manchmal sind es derer sogar zwei. Nicht eben zufällig hat der britische Bildhauer Tony Cragg vor einigen...

Tod auf dem Backstage-WC

Der Kontrast von elegischem Kolorit und einer den Sprung in die Moderne vollziehenden Burleske ist ähnlich reizvoll wie das klassische Doppel von Mascagnis «Cavalleria rusticana» mit Leoncavallos «Pagliacci». Durch die Kombination der «Cavalleria» mit dem 25 Jahre später entstandenen «Gianni Schicchi» wird das kriminologische Potenzial Italiens in Opernform weitaus...