«Wir sind doch keine Konzeptspuckapparate»
Eine Intendantin, die vom interdisziplinären Diskursverständnis kommt. Eine Regisseurin, die zwischen freier Szene und dem guten, alten Stadttheater pendelt.
Und eine Dramaturgin, deren Wurzeln nicht nur in der Musik, sondern auch und gerade im naturwissenschaftlichen Bereich liegen: Aus dieser spannenden personellen Konstellation heraus entwickelt sich eine Debatte über Sinn und Zweck des Musiktheaters, seine soziopolitischen Implikationen, über Regiehandschriften, schwergängige Logistik, neue Zuschauerschichten und den erbaulichen Lebkuchenspruch, das Große werde sich aus eigener Kraft durchsetzen
Der österreichische Essayist Michael Scharang hat unlängst in einem Beitrag für die Zeitschrift «konkret» die These vertreten, Kunst müsse sich, um Kunst zu sein, gegen das Bestehende richten. Übertragen auf die Kunstform Musiktheater würde das bedeuten, diese müsse eine Art Pfahl im Fleische der Gesellschaft sein. Stimmt das so?
Laura Berman: Es ist in der Kunst, also auch im Musiktheater, immer leichter, das Schöne zu lieben und Freudiges, Utopien und Visionen zu vermitteln, wenn man einen Gegenpol hat. Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher, ob die These richtig ist. Jeder, der mit ...
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Opernwelt Jahrbuch 2019
Rubrik: Musiktheater heute, Seite 116
von Jürgen Otten
La joie de vivre
Dieser nie versiegende Enthusiasmus! Diese unerschöpfliche Lust, Brücken zu schlagen, zwischen Künstlern, zwischen Musik, Theater, Literatur, Film und den bildenden Künsten. Zwischen Kulturen, Sprachen, Kontinenten. Diese Freude, wenn sie Französisch sprechen konnte, und ihr Französisch war ausgezeichnet! Diese faszinierenden, leidenschaftlichen...
Wenige Produktionen klingen so stark und so lange nach wie die Salzburger «Salome». Dass die Energien und Konturen der Musik geradezu sichtbar wurden, hat wesentlich mit dem labyrinthisch offenen Schauspiel zu tun, das Romeo Castellucci in der Felsenreitschule für Strauss erfand. Überhaupt entpuppt sich die faszinierend rätselhafte Bühnensprache des aus der...
Bayreuth feierte sein blaues Wunder: Ein solches zauberte Neo Rauch gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Künstlerin Rosa Loy, auf die Bühne des Festspielhauses und verdonnerte damit die Regie (Yuval Sharon) beinahe zur Untätigkeit. Sängerisch hingegen bot dieser «Lohengrin» große Kunst, nicht zuletzt dank der famosen Leistung des Titelhelden: Mit Piotr Beczała «kam...
