«Wir müssen es neu denken»

Im Westen sind seine (Bühnen-)Werke nahezu unbekannt. In seiner Heimat aber genießt der ukrainische Komponist Oleksandr Shchetynsky ein hohes Ansehen. Ein Gespräch über die Situation der landeseigenen Opernhäuser, alte Helden und den Krieg in der Ukraine

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Herr Shchetynsky, was ist «ukrainische Musik»?
Man könnte sagen, dass ukrainische Musik eine Art riesiges Auffanglager der Weltkulturen ist. Die heutige ukrainische Musik umfasst alle Genres – Musiktheater, symphonische Werke, aber auch Kammermusik und Solokompositionen. Ich spreche jetzt nur von der zeitgenössischen klassischen Musik. Auf diesem Gebiet arbeite ich professionell.

Wie entstand die ukrainische Musik?
Wie auch die gesamte ukrainische Kultur entwickelte sich die ukrainische Musik im Schnittpunkt der verschiedenen Einflüsse.

Grundlegenden Einfluss nahm die christlich-orthodoxe Kultur, denn die Ukraine ist zum großen Teil ein orthodoxes Land. Aber auch der katholische Einfluss ist sehr wichtig. Er kam aus Polen; die Ukraine und Polen standen immer in reger Verbindung. Und dann gibt es da noch einen Einfluss, über den gewöhnlich wenig gesprochen wird und der sich Impulsen aus der muslimischen Kultur, zumal in der Türkei verdankt. Wir wissen von Verbindungen zwischen Türken und Kosaken, die weit in die Vergangenheit reichen. Diese Beziehungen waren durchaus nicht immer friedlich, sondern – ganz im Gegenteil – häufig kämpferischer Natur. Die Kosaken gerieten in ...

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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Interview, Seite 58
von Alexej Parin

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