Willkommen in der Hölle
Der Norden der Brüsseler Innenstadt ist kein idyllischer Ort. Die großen Boulevards mit ihren pompösen Wohnblocks zerfransen am Nordbahnhof, der Straßenstrich wirkt am Sonntag noch deprimierender als sonst, das ganze Viertel ist eine von Büroeffizienz und Kommerz diktierte Bausünde der 90er-Jahre. In der großstädtischen Ödnis drängen sich nur vor dem Théâtre National ein paar Menschen, unter die sich kostümierte Exoten in knallbunten Kostümen mischen. Wahrscheinlich würden sie weniger auffallen vor den Säulen der Oper an der Place de la Monnaie im Zentrum.
Aber das Stammhaus wird renoviert, die arg durchgesessene Bestuhlung erneuert und die Bühnenmaschinerie technisch aufgefrischt. Deshalb spielt La Monnaie in der kommenden Saison extra muros, wie es Intendant Peter de Caluwe in verschmitzter Anspielung an die unehrenhaften Berufe formuliert, die in mittelalterlichen Zeiten vor die Mauern der Stadt verbannt wurden. Immerhin muss man in Brüssel keine temporären Zelte aufschlagen, sondern kann auf technisch mal mehr, mal weniger geeignete, immer aber inspirierende Orte zurückgreifen: die ehemaligen Markthallen von Schaerbeek, den Königlichen Winterzirkus, Victor Hortas Palais des ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Michael Struck-Schloen
Im Beiheft zur Debüt-CD der ukrainischen Mezzosopranistin Lena Belkina erfahren wir nicht nur viel über Arien, die Rossini, Bellini und Donizetti für Isabella Colbran, Giuditta Grisi und Rosina Stoltz maßgefertigt haben, sondern auch über die Primadonnen-Oper zwischen 1815 und 1845. Seltsam aber, dass es keinerlei Information über die 1987 geborene Sängerin bietet,...
Vorbei, ihr herrlichen Fluxus-Tage! Als Charlotte Moorman noch nackt ihr rosarotes Eis-Cello in vielen Stunden zergeigte. Als Joseph Beuys in ranziger Butter schwelgte und Yoko Ono im Rhythmus eigener Kompositionen mit dem Kopf auf den Bühnenboden schlug: Das war einmal. Zurückgeblieben ist die Sehnsucht nach Happenings, die ebenso provokativ wie witzig, politisch...
Gegen den Strich» dieses Motto für die letzten von ihr verantworteten KunstFestSpiele Herrenhausen taugt vielleicht auch als Überschrift für die ganzen sechs Jahre, in denen Elisabeth Schweeger versuchte, einen der bedeutendsten Barockgärten Europas, der zuvor meist als Kulisse für Barockes, Kleinkünstlerisches und Feuerwerk diente, für die Moderne zu öffnen. Der...
