Brünstige Gefühle
Das alljährliche Sommerfestival der Garsington Opera, seit 2011 in Wormsley Park in Buckinghamshire beheimatet, präsentiert in diesem Jahr erstmals vier statt drei abendfüllende Werke. Den Auftakt machte «Così fan tutte» unter der musikalischen Leitung von Douglas Boyd und in der Ausstattung von Dick Bird. Regisseur John Fulljames, derzeit Associate Director des Londoner Royal Opera House, wartete eher mit zu viel als zu wenig Einfällen auf – gleichwohl eine spannende Inszenierung. Kathryn Rudge gab eine gereizte Dorabella.
Während Robin Tritschler als Ferrando sich mit seinem dezenten Tenor in den Ensembles kaum durchsetzen konnte, überzeugte die rumänische Sopranistin Andrea Soare im Großen und Ganzen als Fiordiligi. Großartig: Ashley Ridges als Guglielmo. Lesley Garrett (Despina) kehrte für diese «Così» nach mehrjähriger Opernpause auf die Bühne zurück – im Klang etwas körnig, aber mit bestem Handwerkszeug als Darstellerin. Erstklassig Neal Davies als zynischer Alfonso. Unter Douglas Boyds sinnigem Dirigat agierte das Garsington Opera Orchestra als wacher und leidenschaftlicher Klangkörper.
Richard Strauss’ «Intermezzo» gab es in Bruno Ravellas Neuinszenierung auf Englisch. Diese ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 75
von George Hall
Neulich fuhren wir – das Ensemble aus Robert Carsens «Midsummer Night’s Dream» beim Festival in Aix-en-Provence – mit dem Zug rauf nach Lyon: Die sogenannte Sitzprobe stand an. Kolleginnen, die bisher ausschließlich in Jeans und Schlabberpullis herumschlurften, trugen plötzlich kurze Röcke, High Heels und schichtweise Make-up, um nachher mit dick getuschten Wimpern...
«Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam’ und Art.» Ende August tänzeln Hans Neuenfels’ putzig-unheimliche «Lohengrin»-Ratten ein letztes Mal über die Bayreuther Festspielhausbühne. Ein letztes Mal erleben wir dann, wie der Schwanenritter, der einzig Unverstellte in Reinhard von der Thannens aseptischem...
Lange war Houston Stewart Chamberlain (1855-1927) für die Forschung persona non grata. Man wollte mit dem Rassentheoretiker, der es im Wilhelminischen Reich zum Bestsellerautor brachte, die Ideologie des Wahnfried-Kreises um Cosima Wagner fermentierte und der schließlich von den Nazis zum «Seher von Bayreuth» überhöht wurde, nichts zu tun haben. Die einzige...
