Nicht singen!
Ein Blick genügt, das Drama zu schauen. Wo gewöhnlich Fauteuils sich befanden, teure Teppiche, kristallene Leuchter, schmucke Vasen und imposante Spiegel, da steht jetzt, im Deutschen Theater Berlin, vor geschlossenem rotem Vorhang, nicht mehr als ein braunlederner Dreiteiler auf einer Spielfläche von höchstens neun Quadratmetern. Nichts ist übrig geblieben vom Glanz und Glamour im Hause Eisenstein. Große Welt, ganz klein.
Wie eine Erinnerung an die Zeit der Uraufführung mutet das Bühnenbild von Olaf Altmann an, wie eine Erinnerung an das Jahr 1874, als die heute weltberühmteste Operette «Die Fledermaus» das Dunkel der Welt erblickte: Wirtschaftskrise, Untergangsstimmung. Ja, und auch von der funkelnden Musik, mit der Johann Strauß die Ouvertüre prall gesegnet hat, bleibt in der Inszenierung von Michael Thalheimer kaum etwas übrig. Außer Verfremdung.
An Hammondorgel, Typ B3, und einem Piano der Marke Fender Rhodes spielen Wolfgang Roggenkamp und Franz Leander Klee in einem Potpourri-Parforceritt zwar nicht die thematische Substanz, jedoch alle Eleganz dieser Musik über den Haufen, so als würde jemand mit einem Teppichmesser durch ein Gemälde von Gustav Klimt hindurchfahren. ...
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Geistergeschichte oder Psychodrama? Genau wie Britten diese Frage offen lässt, versucht auch Kiels Intendant Daniel Karasek in seiner Inszenierung der Kammeroper «The Turn of the Screw» keineswegs, eindeutige Antworten zu finden. Er erzählt das Stück ehrlich, dabei immer nah an der Musik, in klaren Bildern. Statt komplett ausgestatteter Bühnenräume stellt Norbert...
Das Beste am Christentum sei, dass es Ketzer hervorgebracht habe, bemerkte der Philosoph Ernst Bloch einmal. Ob José Maria Sánchez-Verdú die Schriften Blochs kennt, sei hier dahingestellt. Doch eines haben der deutsche Denker, der bis zu seinem Tod 1977 mit Marx- und Engelszungen die Utopie einer im Diesseits erlösten Welt predigte, und der 1968 geborene spanische...
Der Dichter war hingerissen. «Am Neujahrsabend hat mir Glucks ‹Iphigena auf Tauris› einen unendlichen Genuss verschafft, noch nie hat eine Musik mich so rein und schön bewegt als diese, es ist eine Welt der Harmonie, die gerade zur Seele dringt und in süßer, hoher Wehmut auflöst.» So Friedrich Schiller anno 1801. Nun weiß man, Schiller war ein Idealist. Doch...
