Wien leuchtet
Der See, über dem die Amme zu Beginn der «Frau ohne Schatten» ein geisterhaftes Licht wahrnimmt, lässt in Vincent Huguets Wiener Neuinszenierung an jenes bleiche unterirdische Gewässer denken, an dem – glaubt man Gaston Leroux – ein gespenstischer Maskenmann hauste und seinem dämonischen Orgelspiel frönte. Dieser «See» existiert tatsächlich, ein Grundwasserbecken an der Rue Scribe, tief im Keller der Opéra de Paris. Man könnte sich vorstellen, dass Aurélie Maistre, Bühnenbildnerin der Wiener Produktion zum 150.
Geburtstag des Staatsopernbaus, sich davon zu ihrem grauen Basaltmauerdekor inspirieren ließ.
Realiter kann sich das Haus an der Ringstraße mit solch einem Wasserreservoir nicht brüsten. Und auch nicht virtuell mit einem Opernphantom, obwohl der derzeitige Direktor Dominique Meyer dem Palais Garnier langjährig verbunden war. Was jedoch lebenswahre Tragik betrifft, ließ die Staats-, (ehemals Hof-)Oper ihr Pariser Pendant von Anfang an hinter sich. Während Charles Garnier an der Seine gefeiert wurde, erlitten seine Wiener Kollegen Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg Anfeindungen und Demütigungen. Im April 1868, ein Jahr vor der Eröffnung des ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Gerhard Persché
Es könnte Zufall sein. Es könnte aber auch sein, dass Erich Wolfgang Korngolds (Alb)-Traumoper «Die tote Stadt» nach beinahe 100 Jahren Einsamkeit wieder vermehrt auf den Spielplänen zu finden ist, weil sie sich gewissermaßen a posteriori dem kühl-flüchtigen Rationalismus der Postpostmoderne mit flackernd surrealer Magie widersetzt. Und weil sie uns in jene Sphäre...
Die Szene ist Legende. Weil sie so mysteriös ist, buchstäblich von Schlummerwolken umkränzt. «Götterdämmerung», zweiter Aufzug, erste Szene. Ein Mann sitzt, schwer bewaffnet, am Flussufer vor der Gibichungenhalle und schläft. Aber er schläft mit offenen Augen. Träumt er, dämmert er vor sich hin? Oder macht er nur ein kleines Brecht’sches Nickerchen, in dessen...
Gelegentlich öffnet sich der Himmel des Liedgesangs. Für den Schreiber dieser Zeilen war’s etwa im Frühjahr 1964, als er in Graz Fritz Wunderlich mit Schumanns «Dichterliebe» live hörte. Die Einspielung dieses Zyklus durch den Tenor und Hubert Giesen darf als Referenz gelten; freilich folgt sie der auch heute noch weithin benutzten, 16 Lieder umfassenden...
