Wien leuchtet
Der See, über dem die Amme zu Beginn der «Frau ohne Schatten» ein geisterhaftes Licht wahrnimmt, lässt in Vincent Huguets Wiener Neuinszenierung an jenes bleiche unterirdische Gewässer denken, an dem – glaubt man Gaston Leroux – ein gespenstischer Maskenmann hauste und seinem dämonischen Orgelspiel frönte. Dieser «See» existiert tatsächlich, ein Grundwasserbecken an der Rue Scribe, tief im Keller der Opéra de Paris. Man könnte sich vorstellen, dass Aurélie Maistre, Bühnenbildnerin der Wiener Produktion zum 150.
Geburtstag des Staatsopernbaus, sich davon zu ihrem grauen Basaltmauerdekor inspirieren ließ.
Realiter kann sich das Haus an der Ringstraße mit solch einem Wasserreservoir nicht brüsten. Und auch nicht virtuell mit einem Opernphantom, obwohl der derzeitige Direktor Dominique Meyer dem Palais Garnier langjährig verbunden war. Was jedoch lebenswahre Tragik betrifft, ließ die Staats-, (ehemals Hof-)Oper ihr Pariser Pendant von Anfang an hinter sich. Während Charles Garnier an der Seine gefeiert wurde, erlitten seine Wiener Kollegen Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg Anfeindungen und Demütigungen. Im April 1868, ein Jahr vor der Eröffnung des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Gerhard Persché
Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe. Gerade ist der israelisch-palästinensische Konflikt wieder voll entflammt. Und von Frieden in Syrien kann nach wie vor keine Rede sein. Kaum eine Region ist seit jeher so permanent umkämpft worden. Eroberer, Invasoren, Herrscher, Systeme wechselten sich ab, stets regierten auswärtige Mächte mit und hinein, die sich in...
Zunächst schien das Premierenpublikum des Teatro Real ratlos angesichts dieses artifiziellen Konversationsstücks aus dem Kriegsjahr 1942, in dem es nicht etwa um Leben und Tod, sondern um den altbekannten, in elegant-wortreiches Liebesgeflüster gehüllten Streit geht, ob in den Künsten nun der Poesie oder der Musik Vorrang einzuräumen sei. Argwohn stand schon beim...
Unter den Namen, die für die Nachfolge Stéphane Lissners, des 2021 scheidenden Intendanten der Pariser Opéra national, gehandelt werden, tauchte auch der ihrige immer wieder auf. Vermutlich war sie die einzige Frau, die eine echte Chance hatte, an die Spitze der bedeutendsten staatlichen Institution des französischen Musiklebens berufen zu werden. Eine Deutsche...
