Wiegenlieder der Welt
Der «Montag» in Karlheinz Stockhausens siebentägiger Mythenphantasmagorie «Licht» beginnt unter Wasser: Im Foyer des Aufführungsorts werden die Hörer in grünes Licht getaucht, während endlos gedehnte Bassetthornklänge und Wassergeräusche auf sie eindringen. «Grünliche Dämmerung» schreibt auch Richard Wagner für den Unterwasserbeginn seines ebenfalls mythomanen, wenn auch glücklicherweise nur viertägigen «Ring» vor, nachdem die Musik, aus dem uranfänglichen tiefen Es erwachsend, ins Fließen und Strömen geraten ist.
Hat Stockhausen sich etwa bei Wagner bedient, dem er öffentlich so gern seine Verachtung, ja sein Desinteresse aussprach?
Wahrscheinlicher ist, dass einfach beide Komponisten hier auf einen Topos zurückgreifen, der sich in vielen Schöpfungsmythen aus aller Welt findet und zum kollektiven Unbewussten der Menschheit zu gehören scheint: die Geburt der Welt aus dem Wasser – jedenfalls, wenn man dem Musikwissenschaftler und –philosophen Leopoldo Siano folgt. «So wie es kosmogonische Archetypen gibt, existieren auch musikalische Archetypen, die das Schöpfungsereignis beschwören beziehungsweise akustisch inszenieren», lautet die These seines Buchs «Musica Cosmogonica», das ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 39
von Michael Stallknecht
Herr Nitsch, es sind immer wieder Parallelen gezogen worden zwischen dem Werk Richard Wagners und Ihrer eigenen Aktionskunst: beispielsweise die Verschmelzung mehrere Kunstformen, die Mehrtägigkeit der Aufführungen wie beim «Ring», die Faszination für die griechische Tragödie, für Ritual und Mythos. Wie würden Sie selbst Ihr Verhältnis zu Wagner beschreiben?
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Frau Lyniv, ist der «Fliegende Holländer» das richtige Stück, um in Bayreuth anzufangen?
Er wurde bekanntlich nicht für Bayreuth komponiert. Andererseits hat Wagner die Partitur sehr geschätzt, sonst hätte er eine Aufführung dort nicht genehmigt. Das Werk war ihm wichtig, er hat es revidiert und ist immer wieder darauf zurückgekommen. Die Partitur hat ihn nicht...
JUBILARE
Matthias Hölle absolvierte sein Gesangsstudium an der Stuttgarter Musikhochschule bei Georg Jelden, später bei Josef Metternich in Köln, wo er 1976 sein erstes Festengagement antrat und elf Jahre zum Ensemble gehörte. Wolfgang Gönnenwein holte ihn an die Ludwigsburger Schlossfestspiele, wo der Bass 1978 als Commendatore in Mozarts «Don Giovanni» Aufsehen...
