In Flügelschuhen
Ein Stimmwechsel sei auch bei einer Frau möglich, kalauerte einmal der österreichische Kabarettist Maxi Böhm – wenn sie nämlich dem Tenor den Laufpass gebe und sich dem Bariton zuwende ... Auf der Bühne läuft es indes meist umgekehrt; da fliegen die Herzen den Tenören zu, während die Baritone der Handlung das Gift von Eifersucht und Mordlust einträufeln.
So richtig fies tun sie das allerdings erst bei Verdi – wo Posa und Simon Boccanegra eher Ausnahmen darstellen, während in der Regel Typen wie Jago, Carlo di Calatrava oder Conte di Luna «die Brunnen vergiften», wie es im Theaterjargon heißt. Bei Rossini hingegen ist der Bariton ein weites Land und die charakterliche Streuung dieser Figuren ambivalent, da gibt es Vielfältiges von wahren Schurken wie dem brutalen Herzog von Ordow in «Torvaldo e Dorliska» oder dem Usurpator Assur in «Semiramide» über verzweifelte Väter (etwa jenen Ninettas in der «Diebischen Elster») und reuige Sünder bis hin zum pfiffigen Freund und Helfer. Für letzteren steht der Figaro aus dem «Barbiere» quasi Modell oder, wie in diesem Album, des Prinzen Kammerdiener Dandini in «La Cenerentola». Diese Stimmlage ist in Rossinis Aschenbrödel-Geschichte aber auch ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Gerhard Persché
«Das britische Volk hat gesprochen», proklamiert Atholl Swainston-Harrison in sphinxhaftem Ton. «Mit dem Ergebnis muss jetzt umgegangen werden.» China, Russland oder die USA: Als Chief Executive der International Artist Managers' Association (IAMA) hat er den Überblick über Arbeits- und Reisebedingungen auf der ganzen Welt. Wenn jemand die Folgen des Brexits für...
Drei Frauen. Vereint im Leiden an der Welt, an der Liebe, an den Männern. Sämtlich suchen sie ihr Seelenheil im sehnenden, flehenden Gebet, für das Giuseppe Verdi und Pietro Mascagni ihnen die ergreifendste Musik auf die Stimmbänder geschrieben haben; eine Musik, die in dünner Höhenluft schwelgt und schwelt, und das, wenn man so will, chromatisch ansteigend. Verdis...
Man spielt die alten Rollen weiter, gibt die Lügen von einst als Wahrheit aus, lässt die Leichen im Keller schmoren. Das wird schon gut gehen, so lange niemand, der dort nicht ohnehin seit Jahren sein Unwesen als Untoter treibt, dieses Horrorhaus betritt und nachfragt. Doch der parsifaleske reine Tor, Student Arkenholz (Yoonki Baek singt die extrem hohe Tenorpartie...
