Drei Stile, eine Stimme

Sandrine Piau in diversen Neuaufnahmen – barock, klassisch, spätromantisch

Opernwelt - Logo

Seit fast drei Jahrzehnten steht die Sopranistin Sandrine Piau im Rampenlicht.  Zusammen mit Véronique Gens verkörpert sie die Wiederkehr jenes typisch französischen Gesangsstils, der Virtuosität mit Lyrik, Eleganz mit Tiefgang, nicht zuletzt verbale Nuancierung mit vokaler Differenzierung verbindet und mit Ninon Vallin und Suzanne Danco dahingegangen schien.

Wie Gens hat auch Piau ihre künstlerische Sozialisierung in der Szene der Alten Musik erfahren, auf der Opernbühne wie auf dem Konzertpodium mit Rameau, Händel, Vivaldi und Bach brilliert, sich Zug um Zug die großen Mozart-Partien erobert und im intimen Lied ihr Repertoire bis zu Poulenc und Britten ausgeweitet. Drei beim Label Alpha erschienene Neuaufnahmen beweisen, dass sie auch im goldenen Herbst ihrer Stimme keine Nachsicht nötig hat.

Mit der Tochter Zion in Händels deutschem Oratorium «Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus» fügt Piau ihren zahlreichen Händel-Partien eine weitere Perle hinzu. Händels «Brockes-Passion», die die protestantische Kirchenmusik mit der italienischen Opera seria toppt, stand lange im Schatten der ungleich berühmteren Oratorien Bachs. Aus den drei fast gleichzeitig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Nachholbedarf

Ab und zu ist da die große Vereinsamung. Dann nämlich, wenn sich die Gruppe der ersten Violinen im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg zum Dienst versammelt und – bis auf eine Ausnahme – nur Frauen an den Pulten sitzen. Geschmunzelt werde in solchen Momenten, sagt Solveigh Rose, Geigerin und Mitglied des Orchestervorstands. Und gern über den «Quotenmann»...

Chamäleon

Für den Tod wurde es eine Hängepartie. Das Schach-Match, im Mai 1976 mit der ersten Krebsdiagnose begonnen, endete erst im April 2020. Sich selbst sah Peter Jonas dabei als Ritter, als spielendes, tricksendes Gegenüber des Sensenmanns. So wie es Ingmar Bergman in «Das siebente Siegel» erzählt. Der Film sei «Symbol meines Lebens», pflegte Jonas zu sagen, immer...

Ein-Blicke Juli 2021

Duisburg
«Romeo und Julia»

Wer Charles Gounods Vertonung des Shakespeare-Stoffes im Ohr hat, wird sich selbiges einigermaßen verwundert reiben. Diese Musik ist ganz anders: spröder, kühler, distanzierter, ja man könnte sagen: verschrobener. Und das mit Grund: Der Komponist heißt Boris Blacher, sein Stück stammt aus dem Jahr 1943. Und entheroisiert das Sujet...