Wiederkehr des 20.Jahrhunderts
Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörte es am Teatro Colón zum guten Ton, dass moderne Opern aus Italien oder Frankreich binnen eines Jahres nach ihrer Uraufführung in Europa auf die Bühne kamen. Neue Werke deutscher Herkunft wurden in Buenos Aires allerdings nur selten aufgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich das Bild, der Kurs des zeitgenössischen Musiktheaters verfiel, auch wenn einige Intendanten versuchten, Lücken zu schließen.
Das Colón nahm jüngst zum Beispiel die deutsch-österreichische Moderne in den Blick, unter anderem mit Korngolds «Die tote Stadt», einigen Stücken Weills und Zemlinskys «Der König Kandaules». Doch hat man bislang noch kein wichtiges Werk von Hindemith angepackt (lediglich das Intermezzo «Hin und zurück»), auch Henze war nur mit «El Cimarron» vertreten.
Marcelo Lombardero, Künstlerischer Leiter des Colón, ist von Hause aus Sänger und Regisseur. Für die Musik des 20. Jahrhunderts hatte er stets ein offenes Ohr, und so war man kaum überrascht, dass sich diese Neigung auch im Spielplan der Saison 2006 (März bis November) spiegelte. Neben persönlichen Vorlieben hatte die «moderne» Programmgestaltung freilich auch sehr profane ...
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