Subtile Seelenkunde

Venedig besinnt sich im Teatro Malibran auf seine große Barock-Vergangenheit: Berichte von Cavallis «La Didone» und Galuppis «L’Olimpiade», dazu Hinweise auf DVDs und ein paar Reisetipps

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Venedigs Musikgeschichte betört durch ihre Fülle und ihre Kontraste. Die Mehrchörigkeit in San Marco ist ein Anfang. Die barocke Oper ein anderes Kapitel. Wagner und Verdi verband viel mit der Serenissma. Später ging es Igor Strawinsky und Luigi Nono nicht anders. In den letzten Wochen lockte das Teatro Malibran mit Premieren der Opernpioniere Cavalli und Galuppi. Davon und von den neuesten, Klänge aus Venedig betreffenden DVDs berichten die folgenden Seiten. Ein paar Geheimtipps für Musik­freunde gibt es auch...

Die Götter waren verrückt, und das Pub­likum wurde verrückt.

1993 spannte Herbert Wernicke eine ganze bacchantische Welt zwischen feuerroter Bretterschräge und einem ptolemäischen Bühnenfirmament, das dem Deckenfresko des Palazzo Farnese in Caprarola nachgebildet war. Ein Rasen im Liebeswahn. Jupiter und Diana, Sterbliche und Unsterbliche, Jungfrauen und Draufgänger lechzten nach Zärtlichkeit, wüteten vor Eifersucht, badeten in schmerzvoller Lust und lustgeilem Schmerz. Es begann burlesk und endete, nach vier prallen Opernstunden, mit einer Tragödie der Einsamkeit. Die Aufführung kam zu­nächst in Brüssel he­raus, feierte 1996 auch an der Berliner Staatsoper Triumphe und ...

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Opernwelt Dezember 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Stephan Mösch, Birgit Pauls

Vergriffen
Weitere Beiträge
Smoking und Knarre

Das Trojanische Pferd blieb draußen vor der Tür: eine sechs Meter hohe Sehenswürdigkeit. Was drinnen, im Straßburger Haus der Opéra national du Rhin, über den Schienenstrang auf Hermann Feuchters Bühne herankurvte, war ein trojanischer Panzer mit gewaltiger Kanone. «Les Troyens», das Gipfelwerk des von der elsässischen Drei-Städte-Oper neuerdings ganz speziell...

Galerie der Tenöre

Im heutigen Opernalltag sind gute Tenöre, vor allem für Verdi und Wagner, Ausnahme­erscheinungen. In früheren Zeiten dagegen war die Konkurrenz so groß, dass viele nach heutigen Maßstäben erstklassige Fachvertreter rasch wieder in Vergessenheit gerieten. Für den systematischen Sammler historischer Recitals gibt es da immer wieder Entdeckungen zu machen. 
Der...

Die Sperrmüll-Metapher

Da sind sie wieder, all die Bekannten aus dem Regie­theater der Gegenwart: ein Einkaufswagen, ein paar Bierkästen, ein Gitterzaun, die Filmkamera – natürlich mit Simultanübertragung. Irgendwann ist Sperrmüllsammlung, könnte der weniger erfahrene Theatergänger mutmaßen, dann nämlich, wenn die Akteure das gesamte Gerümpel auf einen großen Haufen schmei­ßen. Dabei ist...