Das Zypern-Dreieck

Verdi: Otello in Dresden

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«Otello» ist ein gigantisches Decrescendo, der physische und psychische Verfall eines strahlenden Helden. Ein Abgesang in vier Akten. Verdi hat eine soghafte Privattragödie komponiert, die formale Dekonstruktion ­einer Heldenfassade, die Vera Nemirova in Dresden nun mit dem Aufbau der Fassaden einer Spaßgesellschaft konterkariert.
Am Anfang steht der Sturm. Zum ersten Orchester-Tutti fällt der rote Vorhang vom Schnürboden, umgeknickte Palmen, ein quer auf dem Strand stehender Jeep im zypriotischen Urlaubsparadies.

Aber «Tui» und «Neckermann» machen's möglich, bauen die Touris­tenbunker wieder auf (Bühne: Johannes Leiacker). Na­türlich mit Hilfe der politischen Miliz-Elite, die in schi­cken weißen Sommeruniformen Richtfest feiert. Noch zwischen den Betonträgern werden die Strohhalme gezückt, um Sangria aus Eimern zu saufen. Das Elend des Herrschers findet derweil im Schatten dieser regenerierten und degenerierten Gesellschaft statt.
Die kluge Idee zweier sich schneidender Parabeln von privatem Zusammenbruch und gesellschaft­lichem Wiederaufbau gefährdet Nemirova anfänglich durch den Rückgriff auf Stereotype. Wieso, bitteschön, ist es heute gang und gäbe, den Spießer in Hawaiihemden ...

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Opernwelt Dezember 2006
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Axel Brüggemann

Vergriffen
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