Das Zypern-Dreieck
«Otello» ist ein gigantisches Decrescendo, der physische und psychische Verfall eines strahlenden Helden. Ein Abgesang in vier Akten. Verdi hat eine soghafte Privattragödie komponiert, die formale Dekonstruktion einer Heldenfassade, die Vera Nemirova in Dresden nun mit dem Aufbau der Fassaden einer Spaßgesellschaft konterkariert.
Am Anfang steht der Sturm. Zum ersten Orchester-Tutti fällt der rote Vorhang vom Schnürboden, umgeknickte Palmen, ein quer auf dem Strand stehender Jeep im zypriotischen Urlaubsparadies.
Aber «Tui» und «Neckermann» machen's möglich, bauen die Touristenbunker wieder auf (Bühne: Johannes Leiacker). Natürlich mit Hilfe der politischen Miliz-Elite, die in schicken weißen Sommeruniformen Richtfest feiert. Noch zwischen den Betonträgern werden die Strohhalme gezückt, um Sangria aus Eimern zu saufen. Das Elend des Herrschers findet derweil im Schatten dieser regenerierten und degenerierten Gesellschaft statt.
Die kluge Idee zweier sich schneidender Parabeln von privatem Zusammenbruch und gesellschaftlichem Wiederaufbau gefährdet Nemirova anfänglich durch den Rückgriff auf Stereotype. Wieso, bitteschön, ist es heute gang und gäbe, den Spießer in Hawaiihemden ...
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Esultate! L’orgoglio musulmano sepolto è in mar, nostro del ciel è gloria! Das hätte man gegenwärtig auch benediktisch zugespitzt, sozusagen auf des Krummsäbels Schneide, inszenieren können. Doch Christine Mielitz lässt den «muselmanischen Stolz» szenisch unkommentiert, nutzt vielmehr Unwetter und Sturm pantomimisch zur (nur bei Shakespeare geschilderten)...
Im Osten Schären, die sich ins Meer neigen. Im Westen Steilklippen, in denen Vögel brüten. Dazwischen Grasdächer und knallbunte Holzhäuser. Die Faröer im Nordatlantik, auf halbem Weg zwischen Norwegen und Island, haben alle dieselbe topografische Signatur. Achtzehn Inseln sind es, baumlos, geprägt von bizarren Formationen aus Vulkangestein. Siebzehn davon sind...
Dass in der Opera seria am Ende noch alles im gleichsam industriell gefertigten «lieto fine» zum Guten gewendet werden muss, ja, das kennt man. Aber mit so einem marginalen barocken Tanzschnipsel, wie er Reinhard Keisers «Arsinoë» abschließt, rechnet dann doch keiner. Konvention erfüllt, Oper spielbar, scheint uns der Komponist zuzuraunen. «Was’n das für’n...
