Wiederentdeckung des Jahres 2024
Seit jenem Tag des Jahres 2009, an dem die Stiftung Palazzetto Bru Zane ihre Arbeit aufgenommen hat, ist Bewegung in die doch leicht verkrustete Opernwelt gekommen – vor allem, was die Zeit zwischen 1780 und 1920 betrifft. Namensimmanentes Ziel des «Centre de musique romantique française» ist es seither, die Musik eben dieser «Epoche» zu erforschen und vor allem Werke ans Tageslicht zu bringen, die bislang als verschollen galten oder in Vergessenheit geraten waren.
Dazu zählen verstärkt auch Opern von komponierenden Frauen, die es in der patriarchal dominierten Gesellschaft des Nachbarlandes schwer hatten, sich gegen die männliche Phalanx durchzusetzen – Künstlerinnen wie Augusta Holmès und Louise Bertin. Dass nun innerhalb einer Spielzeit sowohl Bertins «Fausto» (Essen) als auch Holmès «La Montagne Noire» (Dortmund) an deutschen Opernhäusern auf die Bühne gelangten, verdankt sich in erster Linie dem Bemühen des Palazzetto Bru Zane, das sich vor allem im Fall der ersten «Faust»-Vertonung überhaupt schon jetzt vollends ausgezahlt hat
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 43
von
Ein hochsommerlicher Tag in Dresden. Gefühlt 30 Grad. Immerhin säuselt, fast unhörbar, ein Wind durch die Bäume am Straßenrand. Es ist eine auf den flüchtigen Blick angenehm ruhige Gegend, zehn Straßenbahn-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, in der Lydia Steier wohnt. Doch der Schein trügt. Draußen vor der Tür hängen die Plakate für die Sachsen-Wahl, leider auch...
Es ereignete sich im Frühjahr 2024 auf der Strasbourger Opernbühne. Richard Wagners romantisches Wunder brach ein in die historisch-nationalistische Kulisse, die sich der Bühenbildner Romain Fabre ausgedacht hatte – in klarstem A-Dur, vor allem aber mit einer stimmlichen Verve, wie man sie an dieser Stelle nur selten vernehmen darf. Schon das «Nun sei bedankt, mein...
Die Zukunft der Oper stand schon immer auf dem Spiel, daran hat sich in den mehr als 400 Jahren ihres Bestehens grundsätzlich kaum etwas geändert. Was sich indes geändert hat, sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen sie auf die Bühne gelangt, das soziokulturelle Environment. Und spätestens nach der wenig fruchtbaren Diskussion über die...
