Wie klingt eine dystopische Gesellschaft?
Zu erwarten war der Flop nicht. Sebastian Baumgarten kann ein ernsthafter, ein bisschen abgehobener Hinterfrager sein, jemand der wirklich zu Inhalten durchdringen will und nicht bloß Plots aufmöbelt. Auf diese Weise ist ihm – nur ein Beispiel – in Kassel ein hellhöriger «Rosenkavalier» gelungen. Nix Happy End. Octavian und Sophie hatten so zuckersüße Grillen im Kopf, wie sie per Celesta und Harfe aus dem Orchestergraben stiegen. Jeder wusste, dass es mit den beiden nicht lange gutgehen würde. Statt Rokoko-Plüsch eine Diagnose vom Verfall emotionaler Sicherheiten.
Ein Stück über den Kreislauf von Begehren und Verlassen. Ein Fund. Auch Thomas Hengelbrock ist ein Mann für Funde. Letztes Jahr korrigierte er im Dortmunder Konzerthaus mit «Norma» eingeschliffene Hörerwartungen. Die Proportionen des Stücks traten neu und anders hervor. Bellini hatte plötzlich mehr mit Haydns «Schöpfung» zu tun als mit dem Verismo, in dessen Geist er lange malträtiert wurde. Akustisch sinnfällig war auch, was man längst weiß, aber eben nie hört: dass Wagner viel vom Kollegen gelernt, sogar geklaut hat. Etwa für das Vorspiel zum dritten Akt des «Tannhäuser». Baumgarten und Hengelbrock: zwei, die zueinander ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Stephan Mösch
Normalerweise beginnt Wagners «Ring» damit, dass drei mehr oder weniger gut gebaute Damen in den Tiefen des Rheins einen Zwerg anmachen und sofort wieder abstoßen. Seit Patrice Chéreaus Deutung ist der Rhein oft vertrocknet oder einfach ein Bordell, was schade ist, aber der Musik nicht widerspricht. Wagner hat zwar die Entstehung des Lebens vom Nullpunkt (dem...
52. Jahrgang Nr. 9/10
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752235
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
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www.kultiversum.de/Opernwelt
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 12.08. 2011.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
Nein, nicht auf die Autobahn. Wir entscheiden uns wieder für die Bundesstraße, gondeln lieber wieder mit 60 durch den Schwarzwald, der einen auf die Unaufgeregtheit, die Beschaulichkeit von «Rossini in Wildbad» einstimmt. Dort ist alles beim Alten. Rauschte nicht die Enz mitten durch Park und Ort, herrschte am helllichten Mittag fast schon gespenstische...
