Wie in Tance

In Madrid begeistern William Christie und Pier Luigi Pizzi mit Monteverdis «Orfeo» das Publikum, in Valencia findet Zubin Mehta feine Nuancen in Puccinis «Turandot», am Liceu Barcelona reüssiert Hans Schöpflin als Aschenbach in Brittens «Death in Venice».

Opernwelt - Logo

Es ist noch nicht lange her, da galt das Heimatland einer Montserrat Caballé, eines Alfredo Kraus und José Carreras vor allem als Belcanto-Hochburg. Wie unzutreffend dieses Klischee und wie sehr Spaniens Opernszene inzwischen in Bewegung ist, beweisen nicht zuletzt die führenden Häuser in Madrid, Barcelona und Valencia. Mit ihren jüngsten Premieren spannen sie einen Bogen von Monteverdi über Gluck und Puccini bis zu Benjamin Britten. Zeit für einen konzentrierten Blick auf die iberische Halbinsel.

Der Anfang ist pure Magie: Geburt des Theaters aus Feuer und Fanfaren.

Mit einer «Rheingold»-haft aus dem Nichts aufsteigenden Realisation der «Orfeo»-Toccata starten William Christie und Pier Luigi Pizzi ihren mit Venedig koproduzierten Monteverdi-Zyklus am Teatro Real Madrid. Eine kriegerische Trommler-Kadenz weht wie von Ferne heran, ehe Reflexe flackernder Fackeln die stockdunkle Szene mit der prome­theischen Gabe beleben und der Mantuaner Herzogspalast zu den Klängen der Gonzaga-Hymne märchenhaft aus dem Boden wächst. Erst allmählich wird man gewahr, dass sich Feld­posau­nisten und -trompeter (die fabelhaften Sacqueboutiers de Tolouse) zur Nachtwache im Palasthof versammelt haben, um ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Schlaglicht Spanien, Seite 20
von Boris Kehrmann, Jürgen Otten, Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ende einer Liebe

Quadratisch, praktisch, gut: Für Gou­nods «Romeo und Julia», das in Schwerin erstmals zu sehen war, benützt Bühnenbildner Robert Pflanz unterschiedlich hohe Quader. Sie lassen sich für jede Szene schnell neu arrangieren und wirken doch nie banal. Gemäßigt abstrakt bringt Regisseur Arturo Gama das Werk auf die Bühne, und das tut der Oper gut. Denn wenn schon über...

Gemischte Gefühle

Auf den großen Wurf mussten die Salzburger Pfingstfestspiele lange warten. Zwar kamen durchaus nam­hafte En­semb­­les und Solisten, doch gaben sie meist genau das zum Bes­ten, was sie ohnehin gerade parat hatten; nur wenige Novitäten fanden den Weg an die Salzach. Insofern war die Idee des neuen Intendanten Jürgen Flimm plausibel, Riccardo Muti eine Carte blanche...

Maestro-Theater

Im Rückblick könnte man die neue Leipziger «Manon Lescaut» als symphonisches Vorspiel zum vorläufigen Finale der Querelen um die Zukunft der Oper am Augus­tusplatz lesen. Schon vor der Premiere Anfang Mai hatte es vernehmlich geknirscht im Gebälk des äußerlich fein herausgeputzten Hauses: Riccardo Chailly, seit drei Jahren Generalmusikdirektor und...