Wie in Tance
Es ist noch nicht lange her, da galt das Heimatland einer Montserrat Caballé, eines Alfredo Kraus und José Carreras vor allem als Belcanto-Hochburg. Wie unzutreffend dieses Klischee und wie sehr Spaniens Opernszene inzwischen in Bewegung ist, beweisen nicht zuletzt die führenden Häuser in Madrid, Barcelona und Valencia. Mit ihren jüngsten Premieren spannen sie einen Bogen von Monteverdi über Gluck und Puccini bis zu Benjamin Britten. Zeit für einen konzentrierten Blick auf die iberische Halbinsel.
Der Anfang ist pure Magie: Geburt des Theaters aus Feuer und Fanfaren.
Mit einer «Rheingold»-haft aus dem Nichts aufsteigenden Realisation der «Orfeo»-Toccata starten William Christie und Pier Luigi Pizzi ihren mit Venedig koproduzierten Monteverdi-Zyklus am Teatro Real Madrid. Eine kriegerische Trommler-Kadenz weht wie von Ferne heran, ehe Reflexe flackernder Fackeln die stockdunkle Szene mit der prometheischen Gabe beleben und der Mantuaner Herzogspalast zu den Klängen der Gonzaga-Hymne märchenhaft aus dem Boden wächst. Erst allmählich wird man gewahr, dass sich Feldposaunisten und -trompeter (die fabelhaften Sacqueboutiers de Tolouse) zur Nachtwache im Palasthof versammelt haben, um ...
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Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Schlaglicht Spanien, Seite 20
von Boris Kehrmann, Jürgen Otten, Jörg Königsdorf
Das zweistöckige Haus Kettenbrückengasse 6 unweit des Theaters an der Wien sieht mit seiner schmutzig-traurigen Fassade aus, als würde es den Tod Franz Schuberts noch heute betrauern. Vor 180 Jahren starb der Komponist dort, erfror an der Welt, quälte sich davor noch seine «Winterreise» ab. Man erinnert sich an die Szenen in Fritz Lehners Schubert-Verfilmung «Mit...
Glyndebourne war einmal ein Ort, an dem (auf Einladung von Günther Ebert und Peter Hall) bedeutende Monteverdi-Pioniere arbeiteten. Doch das ist lange her, abgesehen von einer «Poppea» zum fünfzigjährigen Jubiläum des Festivals 1984. Wenn nun die neue «Poppea»-Produktion dort eines bestätigt, so die Erkenntnis, dass das Stück dramaturgisch größere Probleme aufwirft...
Auf den großen Wurf mussten die Salzburger Pfingstfestspiele lange warten. Zwar kamen durchaus namhafte Ensembles und Solisten, doch gaben sie meist genau das zum Besten, was sie ohnehin gerade parat hatten; nur wenige Novitäten fanden den Weg an die Salzach. Insofern war die Idee des neuen Intendanten Jürgen Flimm plausibel, Riccardo Muti eine Carte blanche...
