Frischer Wind im postnapoleonischen Saal
Die Überraschung kommt aus dem Orchestergraben: So transparent und dialogfreudig geht das Orchester der Royal Opera in London seinen neuen «Figaro» an, dass man glatt auf John Eliot Gardiner oder Roger Norrington am Pult tippen könnte. Tatsächlich aber ist es Covent-Garden-Chef Antonio Pappano, der hier den Ton angibt – und damit zeigt, dass er seine Lektion in historischer Aufführungspraxis gründlich gelernt hat.
Schon in der Ouvertüre erinnert nichts mehr an den kultivierten, maßvoll belebten Mozart-Stil eines John Pritchard oder Colin Davis: Das trennscharfe Klangbild ist zugunsten der expressiv agierenden Bläser verschoben, die trockene Pauke setzt die Zeichen auf Revolution. Statt zu begleiten, begreift Pappano das Orchester als gleichberechtigten Akteur zur Bühne, der sich immer wieder mit seinen Kommentaren einmischt; den saftig voluminösen Streicher-Sound seiner Puccini- und Tschaikowsky-Interpretationen lässt der einstige Barenboim-Assistent diesmal in der Tasche.
Ein frischer Wind weht so durch die herrschaftlichen Säle des postnapoleonischen Frankreich, in denen Regisseur David McVicar die gallige Komödie spielen lässt. Eine Epoche, in der die Hierarchien von Herr ...
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