Wie ein Schrei nach Innen
Ihr Glanz und ebenso ihr Elend ist hinreichend, mit staunenswerter Grandezza beschrieben worden. Und nicht erst im gleichnamigen Roman warf Honoré de Balzac im Frankreich des Bürgerkönigs Louis-Philippe, der nach der Julirevolution 1830 auf den Thron gespült worden war, einen liebevoll-strengen, zugleich zarten Blick auf die Kurtisanen von Paris. Schon im parallel entstandenen Opus «Verlorene Illusionen» hatte der kaffeesüchtige Schriftsteller diesen vom Weg abgekommenen Frauen seine Aufwartung gemacht, nicht ohne ihr Schicksal wortreich zu umschreiben.
Mochte eine Kurtisane noch so elegant und gebildet sein, die Doppelmoral der Bourgeoisie wies ihr – siehe auch die Romane von Alexandre Dumas, Victor Hugo und anderen – trotzdem immer den Platz am Ende der gesellschaftlichen Skala zu.
Was die Kurtisanen rettete, was sie schließlich unsterblich werden ließ, war die Vertonung ihrer Leiden(-schaften) durch Komponisten wie Verdi, Puccini, Giordano und Jules Massenet. Sie waren es, die den gefallenen Engeln Denkmäler aus Tönen errichteten und Arien zu Papier brachten, in denen nicht nur die größte Meisterschaft desjenigen, der sie schrieb, zum Ausdruck gelangte, sondern auch diejenige ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 27
von Jürgen Otten
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