Wie ein Schrei nach Innen
Ihr Glanz und ebenso ihr Elend ist hinreichend, mit staunenswerter Grandezza beschrieben worden. Und nicht erst im gleichnamigen Roman warf Honoré de Balzac im Frankreich des Bürgerkönigs Louis-Philippe, der nach der Julirevolution 1830 auf den Thron gespült worden war, einen liebevoll-strengen, zugleich zarten Blick auf die Kurtisanen von Paris. Schon im parallel entstandenen Opus «Verlorene Illusionen» hatte der kaffeesüchtige Schriftsteller diesen vom Weg abgekommenen Frauen seine Aufwartung gemacht, nicht ohne ihr Schicksal wortreich zu umschreiben.
Mochte eine Kurtisane noch so elegant und gebildet sein, die Doppelmoral der Bourgeoisie wies ihr – siehe auch die Romane von Alexandre Dumas, Victor Hugo und anderen – trotzdem immer den Platz am Ende der gesellschaftlichen Skala zu.
Was die Kurtisanen rettete, was sie schließlich unsterblich werden ließ, war die Vertonung ihrer Leiden(-schaften) durch Komponisten wie Verdi, Puccini, Giordano und Jules Massenet. Sie waren es, die den gefallenen Engeln Denkmäler aus Tönen errichteten und Arien zu Papier brachten, in denen nicht nur die größte Meisterschaft desjenigen, der sie schrieb, zum Ausdruck gelangte, sondern auch diejenige ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 27
von Jürgen Otten
Der Rosenkavalier» – ein Wagnis? Für Luzern schon. Das Haus verfügt über rund 500 Sitzplätze im Parkett und auf zwei Rängen; weder von der Raumakustik noch von den Dimensionen des Orchestergrabens her ist die Möglichkeit gegeben, die orchestral großbesetzte «Komödie für Musik» aus dem Jahre 1911 in einer vernünftigen Weise zur Aufführung zu bringen. Oder stimmt das...
Am schlimmsten trieb es – nein, kein Kritiker. Ein Komponist war’s, wiewohl: ein tief gekränkter. Wer Hugo Wolfs Rezensionen liest, reibt sich verwundert die Augen, derart deftig, geradezu niederträchtig wühlt der Wolf im Schafspelz im Räderwerk der Worte, um den «inkriminierten» Gegenstand in den Orkus zu schicken – und dessen Schöpfer am besten gleich mit. Ein...
Unter Verdis Opern der mittleren Periode, die mit dem Erfolgsstück «Rigoletto» 1851 beginnt und elf Jahre später mit der Uraufführung von «La forza del destino» endet, nimmt «Il trovatore» schon allein deswegen eine Sonderstellung ein, weil zwischen dem Drama, auf dem dieses Bühnenwerk fußt, und dem Libretto, das ihm zugrunde liegt, eine eklatante Lücke klafft....
