Fantasievoll
Wenn alle Wege verstellt sind, bleibt nur der nach oben, schrieb Franz Werfel einmal. Es gibt aber auch den Weg in die entgegengesetzte Richtung: Als Onegin sie zuletzt bestürmt, bedrängt, alle Ausgänge des menschenleeren Petersburger Ballsaals versperrt und damit ahnen lässt, bei verbalen Zudringlichkeiten könnte es nicht bleiben – da versinkt Tatjana im Bühnenboden. Eine surreale Schlusspointe, und doch bezwingend logisch aus der Handlungsfolge entwickelt.
Walten hier etwa höhere Kräfte?
Regisseur Julien Chavaz, der in dieser Spielzeit seine Generalintendanz am Theater Magdeburg angetreten hat, verweigert eindeutige Antworten nur zu gern. Tschaikowskys «Lyrische Szenen» siedelt er in einer fantastisch anmutenden Gartenlandschaft an. Onegin und Lenski begegnen uns als Sommerfrischler im pastellfarbenen Agitprop-Look, Tatjana und Olga, Töchter der überaus gestrengen Larina, präsentieren sich im proper sitzenden Rock. Willkommen im sozialistischen Vorzeigeidyll? Keineswegs. Durch den säuberlich gepflegten Garten mit heimeliger Laube und mustergültigem Rollrasen schleicht ein stummer Alter (Steven Beard). Schlumpfig von Statur, aber verhängnisvoll in seinem Handeln. Tatjanas Brief ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Werner Kopfmüller
Leo Blech wurde 1871 in Aachen geboren. Nicht von ungefähr haben sich also das Theater Aachen und das Aachener Sinfonieorchester unter Christopher Ward die Wiederentdeckung des berühmten Stadtsohns auf die Fahnen geschrieben. Bis 1937 war Blech Ehrenmitglied des altehrwürdigen Stadttheaters; Karriere machte er während dieser Zeit in Prag und Berlin freilich vor...
Am Staatstheater Cottbus ist Stephan Märki nicht nur als Regisseur von Wagners «Tristan und Isolde» angetreten, sondern macht als Intendant aus der Premiere zudem ein Event. Im Graben setzt GMD Alexander Merzyn mit dem Philharmonischen Orchester weniger auf einen suggestiven Klangrausch als vielmehr auf den vitalen Kern, der letztlich hinter jeder Wagner’schen...
Diese Oper war sein Schmerzenskind. Düster war dieses Kind, «weil es düster sein muss» (so der Schöpfer am 2. Februar 1881 an den Lebensfreund Opprandino Arrivabene), durchtränkt von einer zutiefst pessimistischen Menschensicht und versehen mit einem aus drei Tintenfässern stammenden Libretto, das Eduard Hanslick anlässlich der Wiener Erstaufführung ein Jahr nach...
