Wie auf Speed

Von Einem: Der Prozess im Musiktheater an der Wien

Opernwelt - Logo

Kafkas Roman «Der Prozess» beginnt mit dem legendären Satz «Jemand musste Josef K. verleumdet haben». Längst zählt diese lapidare Mitteilung zu den ikonischen Romananfängen der Weltliteratur, kündigt sich doch darin ein Lebensgefühl an, das man heute etwas inflationär als «kafkaesk» bezeichnet. Josef K. wird also eines Morgens ohne Angabe von Gründen verhaftet wird und gerät in die Mühlen einer Justiz, deren Motive und Regeln völlig undurchschaubar bleiben.

Der Roman wurde zur Metapher der überkomplexen Moderne mit all ihren wuchernden Bürokratien und jenen nebulösen Vorgängen, in denen sich das jeden Sinns beraubte Subjekt zunehmend ausgeliefert und verloren fühlt. Eine legendäre Musiktheater-Version des Stoffes stammt von Gottfried von Einem, einem Komponisten, der heute kaum präsent ist auf den Spielplänen. Seine Oper «Der Prozess», vor 70 Jahren in Salzburg uraufgeführt, kam nun als Produktion des Musik-Theaters an der Wien in der Spielstätte Kammeroper heraus, in einer Kammerfassung von Tobias Leppert, die sich der Corona-Pandemie verdankt; Regie führte Stefan Herheim.

Bevor sich der Vorhang hebt, tritt der Intendant auf die Bühne und heißt das Publikum launig zur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Mezzo und Sopran

Cooles Cover: Gnadenlos frontal fixiert Aleksandra Kurzak (sie muss es wohl sein, Vergleiche mit weniger stark bearbeiteten Photos im Booklet des Albums lösen gleichwohl Zweifel aus) den Betrachter, die Augen hinter einer insektenaugengroßen Sonnenbrille verborgen. Lange Ohrgehänge hört man beim Betrachten schon klimpern, die Haare verschwinden unter einem streng...

Stückwerk, ungezuckert

Ein ganzes Opernhaus zu schultern, das wäre dann wohl der nächste Schritt. Vielleicht, wenn der Kehlkopf nicht mehr richtig will. Oder der Startenor keine Lust auf das hat, was sich im Karriereherbst alles anbietet – Herodes, Aegisth, der Kaiser in «Turandot», irgendetwas in der Art. «Ein kleines Hineinschnuppern in das Genre», nannte Jonas Kaufmann sein zweites...

Fuchs, du hast mein Herz gestohlen

Das Theater als Tollhaus? Bitte, hier haben wir es! 1500 Schulkinder veranstalten schon vor Beginn der «Familienoper zur Weihnachtszeit» eine Party, wie sie so nicht im Buche steht, jedenfalls nicht in dem jener Erzieherinnen, die sich nach Kräften mühen, die Begeisterung zu dämpfen, damit man die Musik aus dem Graben, wo Neil Valenta seines Amtes waltet, zumindest...