Wie auf Speed
Kafkas Roman «Der Prozess» beginnt mit dem legendären Satz «Jemand musste Josef K. verleumdet haben». Längst zählt diese lapidare Mitteilung zu den ikonischen Romananfängen der Weltliteratur, kündigt sich doch darin ein Lebensgefühl an, das man heute etwas inflationär als «kafkaesk» bezeichnet. Josef K. wird also eines Morgens ohne Angabe von Gründen verhaftet wird und gerät in die Mühlen einer Justiz, deren Motive und Regeln völlig undurchschaubar bleiben.
Der Roman wurde zur Metapher der überkomplexen Moderne mit all ihren wuchernden Bürokratien und jenen nebulösen Vorgängen, in denen sich das jeden Sinns beraubte Subjekt zunehmend ausgeliefert und verloren fühlt. Eine legendäre Musiktheater-Version des Stoffes stammt von Gottfried von Einem, einem Komponisten, der heute kaum präsent ist auf den Spielplänen. Seine Oper «Der Prozess», vor 70 Jahren in Salzburg uraufgeführt, kam nun als Produktion des Musik-Theaters an der Wien in der Spielstätte Kammeroper heraus, in einer Kammerfassung von Tobias Leppert, die sich der Corona-Pandemie verdankt; Regie führte Stefan Herheim.
Bevor sich der Vorhang hebt, tritt der Intendant auf die Bühne und heißt das Publikum launig zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Regine Müller
Peter Gelbs Vorliebe für Broadway-Regisseure, deren Begabung abseits der großen Oper liegt, setzt sich mit der neuen «Aida» von Michael Mayer fort. In Mayers Inszenierung taucht ein Archäologe im Stil von Indiana Jones aus den 1920er-Jahren auf sowie später ebenfalls dessen Freundin und Partnerin, die wie die Minnie aus Puccinis «La fanciulla del West» gekleidet...
Rien ne va plus? Au weia!» Mit diesem Geflachse, als hätten sie’s geahnt, beginnt das Editorial der Stuttgarter «Oper im Winter» zur Aufführung von Ralph Benatzkys «Casanova» auf Musik von Johann Strauss. Einen solchen künstlerischen GAU hat das Haus seit 2006 nicht mehr erlebt. Damals kam Klaus Zehelein bei seiner allerletzten Premiere der Regisseur abhanden,...
Das Theater als Tollhaus? Bitte, hier haben wir es! 1500 Schulkinder veranstalten schon vor Beginn der «Familienoper zur Weihnachtszeit» eine Party, wie sie so nicht im Buche steht, jedenfalls nicht in dem jener Erzieherinnen, die sich nach Kräften mühen, die Begeisterung zu dämpfen, damit man die Musik aus dem Graben, wo Neil Valenta seines Amtes waltet, zumindest...
