Wie auf Speed
Kafkas Roman «Der Prozess» beginnt mit dem legendären Satz «Jemand musste Josef K. verleumdet haben». Längst zählt diese lapidare Mitteilung zu den ikonischen Romananfängen der Weltliteratur, kündigt sich doch darin ein Lebensgefühl an, das man heute etwas inflationär als «kafkaesk» bezeichnet. Josef K. wird also eines Morgens ohne Angabe von Gründen verhaftet wird und gerät in die Mühlen einer Justiz, deren Motive und Regeln völlig undurchschaubar bleiben.
Der Roman wurde zur Metapher der überkomplexen Moderne mit all ihren wuchernden Bürokratien und jenen nebulösen Vorgängen, in denen sich das jeden Sinns beraubte Subjekt zunehmend ausgeliefert und verloren fühlt. Eine legendäre Musiktheater-Version des Stoffes stammt von Gottfried von Einem, einem Komponisten, der heute kaum präsent ist auf den Spielplänen. Seine Oper «Der Prozess», vor 70 Jahren in Salzburg uraufgeführt, kam nun als Produktion des Musik-Theaters an der Wien in der Spielstätte Kammeroper heraus, in einer Kammerfassung von Tobias Leppert, die sich der Corona-Pandemie verdankt; Regie führte Stefan Herheim.
Bevor sich der Vorhang hebt, tritt der Intendant auf die Bühne und heißt das Publikum launig zur ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Regine Müller
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