Auweia!
Rien ne va plus? Au weia!» Mit diesem Geflachse, als hätten sie’s geahnt, beginnt das Editorial der Stuttgarter «Oper im Winter» zur Aufführung von Ralph Benatzkys «Casanova» auf Musik von Johann Strauss. Einen solchen künstlerischen GAU hat das Haus seit 2006 nicht mehr erlebt. Damals kam Klaus Zehelein bei seiner allerletzten Premiere der Regisseur abhanden, diesmal kam dem Regisseur unter kräftiger Nachhilfe der hauseigenen Dramaturgie das Stück abhanden.
«Casanova», 1928 einen Tag nach der Premiere von Brecht/Weills «Dreigroschenoper» uraufgeführt, war einer der spektakulärsten Erfolge des Berliner Unterhaltungstheaters – eine Revue-Operette über Liebe, Begehren, Verführung und Sexualität, mehr Music-Hall als Schauspiel, mehr Nummern-Show als Handlung.
In Stuttgart wird der männliche Blick des Stücks um eine aktuelle weibliche Perspektive erweitert, den häppchenweise zwischen die Musik parzellierten Text Judith Schalanskys über die antike Dichterin Sappho. Man fühlt sich in dieser «Diskurs-Operette» auf eine Schulbank versetzt – umso mehr, als die Mezzosopranistin Maria Theresa Ullrich als Barberina die papierenen Belanglosigkeiten mehr schlecht als recht über die Rampe ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Uwe Schweikert
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