Wichtige (Ur-)Aufführungen der Saison
Es war eine Uraufführung von bleibendem Wert: Marc-André Dalbavies Musiktheater Le soulier de satin am Palais Garnier der Opéra de Paris führte den Beweis, dass ein schier unspielbares Theaterstück als Oper funktioniert. Der Komponist, der sein Werk selbst dirigierte, und seine Librettistin Raphaèle Fleury verwandelten Claudels Menschheitsparabel in ein «lustvolles Musiktheater, das in der klugen Inszenierung von Stanislas Nordey durch seine zeitlose Dynamik bestach. «Der Pathos der Liebe ist gebrochen, in Sarkasmen aufgelöst, situativ pulverisiert».
(OW 7/2021)
Bereits in seinem ersten Musiktheater «Stallerhof» hatte der österreichische Komponist Gerd Kühr alles Mythisch-Zeitlose überwunden und konkret mit der alles andere als heilen bäuerlichen Welt abgerechnet. Nun, in seinem neuesten, gemeinsam mit Hans-Ulrich Treichel verfassten Werk Paradiese, das an der Oper Leipzig uraufgeführt wurde, wechselte er vom Rustikalen ins Großstädtische, dies «in Form einer regelrechten Berlin-Kolportage. Kühr setzt auf semantische Fasslichkeit, klar artikulierte Texte, scheut dabei keineswegs aggressiv rhetorische Drastik». (OW 9-10/2021)
Schräg, schrill und ein bisschen schmutzig – das ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 106
von Red.
«Damit ein Ereignis Größe habe», schrieb Friedrich Nietzsche über Richard Wagner in Bayreuth, «muss zweierlei zusammenkommen: der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben.» Das Verblüffende an diesem Satz ist, dass er sich nicht nur auf die ersten Festspiele 1876 beziehen lässt. Sondern auch – und zwar ausgerechnet im...
Dass der Autor Clemens Meyer ein schrill-schräger und ziemlich schlauer Typ ist, weiß jeder, der seine Romane gelesen hat. So auch Meyers Nachtstück Im Stein, welches in grellen Bildern die Suche einer durch den Mauerfall schwer irritierten Generation nach ihrer Identität und nach dem Sinn des Lebens schildert. An den Bühnen Halle sollte eigentlich in dieser...
In Mozarts Musik gibt es Momente einer unwirklich überwirklichen Hoffnung. Ebenso unwirklich und überwirklich wie die Situation, in der ich sie im vergangenen Jahr, nach viermonatiger Schließung der Konzertsäle und Opernhäuser, erstmals wieder hörte, in «Così fan tutte» bei den Salzburger Festspielen. Man hatte etwas riskiert, in einer unüberschaubaren Lage – die...
