Macht der Farbe
Im Jahrbuch 2020 wurde eine von Mezzo J’Nai Bridges moderierte Diskussion zum Thema Rassismus in der Oper abgedruckt. Über dieses wichtige Thema ist viel gesprochen worden seither – wer trotzdem noch Belege braucht, kann sich auf einer der vielen neuen Plattformen umschauen, etwa dem Instagram-Account @operaisracist. Vieles klingt bekannt in den anonymisierten Kommentaren. Das Vorurteil, dass «asiatische Sänger [...
] von ihrer Kultur her zu Robotern erzogen werden, denen die Ausdruckstiefe der Westler völlig abgeht», war während meines Studiums Anfang der 2000er-Jahre extrem verbreitet in der Berliner Hochschulszene. Und kürzlich wollte mir der Intendant eines Star-strotzenden Hauses erklären, dass «die Araber vokal-physiologisch für die Oper ja überhaupt nicht gebaut» seien. Eine wundersam farbenblind-farbenreiche Welt im Stile von Armando Iannuccis «The Personal History of David Copperfield» ist wohl noch nicht absehbar. Es sind oft die kleinen Kompanien und Spielorte, die Pionierarbeit leisten – Nachrichten wie die, dass in Glasgow wegen Virus-Finanzverlusten 80 von 171 Einrichtungen der Kulturstiftung «Glasgow Life» geschlossen bleiben, werden noch viele eintreffen, und das ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 125
von Wiebke Roloff Halsey («Opernwelt», London)
Wie es war, ist es nicht mehr. Die Corona-Pandemie, der größte gesellschaftliche Einbruch seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, hat naturgemäß auch die Theater- und Musikszene radikal verändert. Die Frage nach der Kunst wird zur Frage nach dem Leben. Seit dem März 2020 schlagen sich die Institutionen, aber auch jeder Einzelne mit den Antworten herum. Ob digitale...
Beginnen wir mit einem Zitat von Carolin Emcke, aus deren Pandemie-Tagebuch: «Wenn wir jetzt nicht nachweisen, was wir können, wenn wir jetzt nicht begründen, warum es uns, die wir Geschichten erzählen, fiktive oder nicht-fiktive, die wir die Wirklichkeit verwandeln oder beschreiben, die wir Trost spenden oder Wissen vermitteln, die wir Wörter oder Konzepte wiegen...
Sie waren beispiellos flexibel, unsere Opernhäuser in der Saison 20/21! Mit immer neu ausgetüftelten Distanzmodi im Zuschauerraum. Auf der Bühne wird mit Metermaß die Abstandeinhaltung geprüft. Chöre und Orchester singen und spielen, per Glasfaser zugeleitet, aus Probenräumen, so etwa im Züricher «Boris Godunow». Reduzierte Fassungen erlauben faszinierend neue...
