Wer schlägt, der liebt
Dass seine einzige vollendete Oper mehr als ein Jahrhundert später eine derartige Brisanz entfalten würde, hätte sich Paul Dukas wohl kaum träumen lassen. Bis heute stellt «Ariane et Barbe-Bleue» der modernen Gesellschaft eine überaus präzise Diagnose. Das beweist Àlex Ollés Inszenierung am Teatro Real, die gnadenlos die Fassade von Gleichberechtigung und Wohlstand entlarvt. Auf der Bühne erwachen erschütternde Eurostat-Daten zum Leben: Rund 30 Prozent der Europäerinnen erleben häusliche Gewalt.
Die vermeintlich erfreulichen Statistiken mancher EU-Staaten zeugen keineswegs von einer abwesenden Tyrannei, sondern vom Schweigen der Opfer.
Die von Maurice Maeterlinck adaptierte Handlung eines Perrault-Märchens ist kurz und simpel: Ariane – Blaubarts sechste Ehefrau – widersetzt sich dem Verbot ihres Gatten und entdeckt im Verlies Schätze sowie fünf verschwundene Vorgängerinnen. Sie versucht, die Frauen ans Tageslicht zu führen, doch diese weigern sich beharrlich: Aus Furcht vor der Freiheit ziehen sie das vertraute Sklavendasein vor.
Der Auftakt zu Àlex Ollés Madrider Inszenierung wirkt zunächst befremdlich. Im Fast-Dunkel öffnen Ariane und ihre Amme die Schatzkammern, ihre ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Konstantin Nikischin
JUBILARE
Seinen 85. Geburtstag feiert Paul Frey, der am 20. April 1941 in Heidelberg, Ontario, zur Welt kam. Der Tenor studierte am Konservatorium von Toronto, kam 1977 nach Europa und wurde ein Jahr später ans Theater Basel verpflichtet. Dort debütierte er als Massenets Werther und war anschließend in den großen Tenorpartien der Opern Mozarts und Verdis sowie als...
Das Projekt liest sich toll: «Die Fritjof-Saga» der schwedischen Komponistin, Organistin, Telegrafistin und Frauenrechtlerin Elfrida Andrée erlebt im Aalto-Musiktheater Essen ihre stark verspätete szenische Uraufführung, das Libretto zur Oper schrieb keine Geringere als die spätere Literaturnobelpreisträgerin Selma Lagerlöf. Andrée reichte die Partitur anonym 1894...
Wenn im vierten Akt der «Morgiane» die Heldinnen und Helden sich im Kerker des Sultans von Isfahan wiederfinden, gelingen dem Komponisten Momente von hoher Dichte und Intensität. Kourouschah hatte die junge Amine bei ihrer Hochzeitsfeier im ersten Akt gewaltsam entführen lassen, um sie nach Despotenart zu seiner Frau zu machen – nicht wissend, dass es sich um seine...
