Wer oder was ist eine Diva?
Anna Netrebko ist ganz genau, wenn es um die große Arie der Traviata geht. Sechzehntelpausen des «Ah fors‘è lui» dort, wo sie stehen, die Legatobögen, Akzente und dynamischen Stufen ebenfalls. Keine «Interpretation» versucht diese Aufnahme, sondern eine schlichte Ausführung des Notentextes. Maria Callas war da, ein halbes Jahrhundert vorher, freizügiger. Was sie sang, war oft mehr, als Verdi notiert hatte, aber weniger eine persönliche Interpretation als vielmehr Inbegriff dessen, was man in den fünfziger Jahren unter stilistischer Tradition verstand.
Ricci und Serafin lugten der Callas quasi über die Schulter. Noch einmal ein halbes Jahrhundert zuvor komponierte Luisa Tetrazzini dieselbe Arie fast um: Sie ignorierte Verdis Verzierungen und setzte dafür neue ein, sie veränderte den Rhythmus und trennte Silben nach Wirksamkeit. Ihre hohen Noten setzte sie gern eine Idee verfrüht und synkopisch an, um ihnen besondere Aufmerksamkeit zu sichern. Bei ihr ist das Werk perfektes Medium der Selbstdarstellung.
Der Musikwissenschaftler Thomas Seedorf führte die drei Aufnahmen in der Stuttgarter Musikhochschule einem Auditorium vor, das entschlossen war, dem Phänomen Diva mit ...
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Das war die kurzweiligste Geschichtsstunde, die ich je erlebte: «Garibaldi en Sicile» von Marcello Panni, uraufgeführt an Neapels Teatro San Carlo. Thema des historischen Bilderbogens ist die Befreiung und Eroberung Siziliens durch Garibaldis Freiwilligenregiment im Jahr 1860, die der Herrschaft der neapolitanischen Bourbonen über Süditalien ein Ende bereitete....
Anfangs wollt‘ man fast verzagen. Es war, als entfalte sich das Vorspiel zu «Tristan und Isolde» bei Marko Letonja und dem Sinfonieorchester Basel nicht recht. Zu viel Stückwerk, keine Linie – vor allem aber: kein Sehnen, keine Not, kein Geheimnis und um jenen Tick zu rasch, der verhindert, dass man sich in Richard Wagners Ausdruckswelt einnisten kann. Dafür...
Was deutsch und echt, scheint manchem Engländer noch immer verdächtig. Vor allem die «Tabloids», die Boulevardzeitungen, lassen kaum eine Gelegenheit aus, den Teutonen verbal eins aufs Haupt zu geben, sei’s beim Fußball, sei’s gar beim bayerischen Papst. Die respektlos-flapsige Headline der «Sun», «From Hitler youth to Papa Ratzi», hat in Deutschland böses Blut...
