Wer betrügt wen?

Cavalli: La Calisto
Nürnberg | Staatstheater

Opernwelt - Logo

Wer dieses Stück ansetzt, sollte wissen, warum. Tatsächlich hat Jens-Daniel Herzog an seinem Haus Solisten und Barockspezialisten zur Hand, für die die über 350 Jahre alte Oper Francesco Cavallis eine schöne Herausforderung und Spielwiese ist. Szenisch bleiben bei «La Calisto» allerdings ein paar Fragezeichen. Natürlich empfiehlt es sich heutzutage, den obersten Gott im römischen Mythenhimmel ordentlich zu demontieren. Denn Giove läuft zum Kummer von Gattin Giunone nicht nur fast jedem Rock hinterher, er wendet auch miese Tricks an, um ans Ziel zu kommen.

Auf der Erde macht er die Nymphe Calisto an, die am Ende die Gestalt einer Bärin annimmt, um dereinst, wie der Prolog verheißt, als Sternbild am Firmament zu prangen.

Auf die Frage, was eine Nymphe ist, geben der Regisseur und seine Ausstatter (Bühne: Mathis Neidhardt, Kostüme: Sibylle Gädeke) die erwartbar heutige Antwort: ein Mädchen à la Greta Thunberg, das sich in einem Schulungszentrum für italienische Umweltaktivistinnen in Direktorin Diana verguckt. Letztere geriert sich als Sittenwächterin, liebt aber heimlich Hausmeister Endimione. Sekretärin Linfea ist eine ältliche Jungfer, die «endlich richtig geknallt» werden will – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Monika Beer

Weitere Beiträge
TV-Klassiktipps Januar 2020

arte

01.01. – 18.15 Uhr
Neujahrskonzert 2020 aus dem Teatro La Fenice

Auf dem Programm: Arien und Ouvertüren von Verdi, Puccini, Offenbach und Nino Rota. Zum 17. Mal findet in Venedigs berühmten Opernhaus das traditionelle Neujahrskonzert statt. Auch diesmal wird der zweite Teil des Konzertes, der dem großen Opernrepertoire gewidmet ist, für das Fernsehen...

Gefühlsklang und Kirchenton

Wenn zum Happy End alle Solisten den Schlusschor anstimmen, langsam in die Bühnentiefe abgehen, das Orchesterspiel abbricht, der entschwindende Gesang immer leiser wird und das Licht allmählich verlischt, bis Dunkel und Stille herrschen, hat man als Zuschauer im Schwetzinger Rokokotheater die erfolgreiche Wiedergeburt eines Stücks erlebt, das 300 Jahre unter...

Liebesgrüße aus Hollywood

Zugegeben, kurz erschrickt man schon, wenn sich der Vorhang öffnet und den Blick auf hypernaturalistische Kulissen freigibt: In handwerklich exzellenter Ausführung ist der Originalschauplatz von Camille Saint-­Saëns «Samson et Dalila» nachgebildet, ein Dorf im Tal Sorek. Rechterhand steht eine Reihe von Lehmhäusern, linkerhand erheben sich Felsen. Hat die Berliner...