Auf neuestem Stand
Die Widrigkeiten und Wirrnisse, mit denen viele Kultureinrichtungen in Italien zu kämpfen haben, scheinen das Donizetti Festival in Bergamo kaum zu tangieren. Über einen Zuschauerzuwachs von zuletzt 30 Prozent können sich der Künstlerische Leiter Francesco Micheli und Musikchef Riccardo Frizza freuen. Mehr als die Hälfte der Besucher kommen aus dem Ausland: aus Europa, aber auch aus den USA und Fernost.
Dank der Förderung durch den Staat, die Kommune, die Region Lombardei und private Sponsoren (deren Anteil bei 14 Prozent liegt) lassen sich wohl auch Mindereinnahmen verkraften, die in Zusammenhang mit der Sanierung der Hauptspielstätte, des Teatro Donizetti, zu erwarten sind – weil das Haus bis 2020 umgebaut wird, können weniger Karten als üblich verkauft werden. Die Aufführungen finden vor allem im kleinen Teatro Sociale, aber auch an anderen Orten, etwa im Dom oder im Geburtshaus Donizettis statt.
Internationale Aufmerksamkeit erzielt das Festival durch eine Programmgestaltung, die berühmte Werke mit weniger bekannten aus dem 70 Opern umfassenden, zwischen 1816 und 1844 entstandenen Donizetti-Kosmos verknüpft. Und alles auf Basis des heutigen Forschungsstandes und der neuesten ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Guy Cherqui
Während Händel- und Vivaldi-Recitals boomen, hat die noch immer unterschätzte französische Barockoper auch hier das Nachsehen. Ihr theatrales Gesamtkunstwerk aus Aktion, Gesang und Tanz eignet sich weniger zur vokalen Selbstdarstellung als die italienische Seria mit ihren virtuosen Abgangsarien, und für den gegenwärtige Counter-Hype liefert sie kein Stimmfutter....
Schon in wilhelminischer Zeit, lange vor der sogenannten sexuellen Revolution der 1960er-Jahre, gab es Bestrebungen, die prüde Leibfeindlichkeit der katholischen Kirche durch Propagierung einer neuen Freikörperkultur zu überwinden. Auch die 1916 bis 1924 entstandene und 1926 in Warschau erstmals vorgestellte Oper «Król Roger» von Karol Szymanowski kreist um diese...
Wenn eine Welt, in der Adolf Hitler geradewegs mit Gott identisch ist, auf der Opernbühne reflektiert wird, dann muss sich «Wotan» gar unheilig imperfekt und respektlos auf «Truthahn» reimen. Dann erheben sich rechte Arme nicht nur einfach so immer wieder zum deutschen Gruß stramm himmelwärts. Derlei Gesten aus dunkeldeutscher Zeit werden vom Orchester allzu gern...
