Gothic novel
Die Bühne dreht sich – wie jene Schraube, die im Titel rotiert. Mit jeder Windung, jedem «Turn of the Screw» erhöhen sich in Benjamin Brittens Kammeroper Druck und Beklemmung. Für die Akteure wie für die Zuschauer. Regisseur Peter Carp und Bühnenbildner Kaspar Zwimpfer entwickeln über rund zwei Stunden im Großen Haus des Theaters Freiburg einen Spannungsbogen wie die Altmeister des gepflegten Film-Thrillers. Das Ergebnis: eine dramatische Gothic Novel, die obendrein hinreißend klingt.
Behutsam, mit Respekt hat sich Freiburgs vom Schauspiel kommender Intendant dem Musiktheater angenähert. In seiner dritten Spielzeit legt Carp mit diesem Stück – nach einem berührenden «Eugen Onegin» im Vorjahr – erst seine vierte Regiearbeit in der Oper vor. Und man spürt, dass ihm Brittens Meisterwerk nach einer Novelle von Henry James aus dem Jahr 1898 besonders nahegeht. Die kryptische Mitteilung der Governess aus der fünften Szene, «See that I see, know what I know», dient als hintergründiges Motto des Abends. Sehen wir, was die Gouvernante sieht? Weiß sie, was sie sieht? Existieren die Phantome des Dieners Quint (ein ausdrucksstarker, zart lyrischer Tenor: Joshua Kohl) und der früheren Betreuerin ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Alexander Dick
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Nomen ist hier für einmal nicht omen, denn es ist keineswegs ein Fischen nach Komplimenten, das Adam Fischer – der am 9. September 2019 70 Jahre alt wurde – am Ende des Buchs betreibt, wenn er unter dem Titel «Und das hätte ich gesagt?» feststellt, er habe sich quasi durch diese Biografie selbst mehr zu schätzen gelernt. Nicht ohne Ironie schreibt er, Autor...
Schon in wilhelminischer Zeit, lange vor der sogenannten sexuellen Revolution der 1960er-Jahre, gab es Bestrebungen, die prüde Leibfeindlichkeit der katholischen Kirche durch Propagierung einer neuen Freikörperkultur zu überwinden. Auch die 1916 bis 1924 entstandene und 1926 in Warschau erstmals vorgestellte Oper «Król Roger» von Karol Szymanowski kreist um diese...
