Ein Lyriker par excellence
Benjamin Bernheim ist der Tenor der Stunde. Eine Aufführung von Verdis «Otello» bei den Salzburger Osterfestspielen 2019 war für mich die erste Begegnung mit dem französischen Sänger. Ein Cassio wie er hätte Otello auch ohne die Intrigen Jagos eifersüchtig werden lassen. Ein Jahr später entzückte er im Pariser Théâtre des Champs-Élysées in einer Aufführung von Gounods «Faust», als er in «Salut, demeure chaste et pure» das hohe C in der Phrase «où se devine la présence» mit einer wie flüssiges Silber schmelzenden Stimme sang.
Für sein erstes CD-Recital bildet Bernheim dieses C nicht im Falsett wie einige Tenöre zuvor (Gaston Micheletti, David Devriès, Alain Vanzo), sondern in schlanker Fassung. Ein erstaunliches Debüt, das – um einen Einwand rasch hinter uns zu bringen – allerdings völlig gedankenlos, wie eine Abfolge von Schlagern zusammengestellt ist. Nemorinos «Una furtiva lagrima» (Donizetti) steht zwischen Arien des Werther und des Roméo (Gounod), Edgardos «Tombe degli avi miei» (Donizetti) zwischen der Traumerzählung Des Grieux’ (Massenet) und Fausts «Salut» (Gounod) – das ist bar jeden Sinns, vom Unsinn des psycho-philosophisch-faselnden Begleittextes ganz abgesehen.
Die ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Jürgen Kesting
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