Wenn es Wotan zu Papageno zieht
Willensstark und tatkräftig sind sie, aber in ihrer Seele verwirrt, tief verletzt – ob sie Wotan oder Sachs heißen, Posa oder Amonasro, ob sie Namen wie Scarpia, Mandryka oder Wilhelm Tell tragen. Sie alle sind nur Kunstfiguren auf hölzernen Theaterbrettern. Aber wenn Michael Volle diese Figuren verkörpert, werden hinter den Rollen all die schwankenden Existenzen lebendig – die tragischen, vom «Schicksal» oder der eigenen Seelenschwäche gebrochenen, in Wahn und Leid zerrissenen Machtmenschen, die das Publikum bewegen, ja aufwühlen können.
Mit seiner kraftvoll-balsamischen Baritonstimme und der ausgreifenden Bühnenpräsenz ist er längst zu einem großen Charakterdarsteller geworden.
Michael Volle hat sich in den vergangenen Jahren die großen «schweren» Partien seines Fachs auf der Bühne erobert, eben Wagners Hans Sachs, Holländer, Wolfram und Wotan, Verdis Posa, Amonasro und Montfort, den Mandryka und den Jochanaan des Richard Strauss sowie Puccinis Scarpia, im letzten Sommer erst Rossinis Guillaume Tell. Dazu den Dr. Schön in Alban Bergs «Lulu» und den Golaud Debussys. Er hat gerade die zwiespältigen Charaktere mit musikalischer Hingabe und Spielleidenschaft schier an sich gerissen. ...
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Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Sänger des Jahres, Seite 34
von Wolfgang Schreiber
Man kann es aufregend oder niederschmetternd finden, bereichernd oder befremdlich. Fest steht jedenfalls, dass die aktuelle «Ring»-Produktion in Bayreuth durch auseinanderstrebende Kräfte gekennzeichnet ist. Und das in einer Weise, wie sie so extrem bei den Festspielen noch nie der Fall war. Was ist geschehen?
Zunächst die Inszenierung. Frank Castorf deutet den...
Dass Aleksandar Denic Set Design studierte, lag irgendwie in der Familie – ein Großonkel Bühnenbildner, Vater und Großvater Architekten. 1987 bekam Denic sein erstes professionelles Engagement beim Film, ein Jahr später am Theater. Er hat die Inneneinrichtung von Cafés und Bars entworfen, auch Kulissen für Events und Werbespots. Die Arbeit fürs Kino führte ihn...
Drahtig, nicht besonders groß. Ein Bart und wilde Lockenbüsche. Blitzende Augen und eine Riesenenergie. Man würde Aleksandar Denic glatt zutrauen, dass er die gigantischen Sets höchstpersönlich auf die Bayreuther Bühne wuchten könnte, die er sich für Wagners «Ring des Nibelungen» ausgedacht hat. Jenen «Ring», der eigentlich «Denic-Ring» heißen müsste, wie eine...
