Terra incognita
Das Theater ist für ihn das Labor, die Bühne der Seziertisch für unsere Ängste und Gefühle. Romeo Castellucci legt den unmittelbaren Zugang zu unseren intimsten Geheimnissen frei – Geheimnisse, die wir lieber unangetastet wissen wollen. Vertrauen wir uns der Führung Castelluccis an, dann wird sein Theater zum Vorstoß in eine terra incognita, die uns zugleich verzaubert und in Schrecken versetzt.
Prophetischer Visionär, der er ist, erfindet er die Mythologie neu und ist imstande, unseren Blick auf unser eigenes Leben, auf die Spezies Mensch und auf die Gesellschaft radikal zu verändern.
2005 sah ich im Antwerpener Kunstzentrum de Singel – einer Spielstätte, der Castellucci seit vielen Jahren die Treue hält – seine faszinierende «Tragedia endogonidia». Das war mein Erstkontakt mit Castelluccis Werk. Noch stärker sprach mich jedoch sein «Divina commedia»-Projekt an, so dass ich gleich nach meinem Amtsantritt als Brüsseler Opernintendant mit meinem Dramaturgen Christian Longchamp über Romeo Castellucci zu reden begann.
Als ich dann im Sommer 2008 die fesselnde «Parsifal»-Deutung von Stefan Herheim in Bayreuth sah, war ich von der Relevanz dieser Produktion für die Wagner-Rezeption, von ...
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Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 114
von Peter de Caluwe
In Tolochenaz am Genfer See, zwei Auto-Minuten außerhalb von Morges, bewohnen Nicolai Gedda und seine Frau Aino das direkte Nachbargrundstück von Audrey Hepburn. Er selbst zog 1968 hierher, die (1993 verstorbene) Schauspielerin einige Jahre zuvor. «Das Tor wird offen stehen», hatte Gedda uns auf den Anrufbeantworter gesprochen. Als das Taxi erscheint, sind alle...
Klappern gehört zum Handwerk. Dass es nicht reicht, einfach Gutes zu tun, ist nicht erst seit dem Siegeszug moderner Marketingstrategen eine Binsenweisheit. Man muss auch darüber reden. Und zwar öffentlich. Auf allen Kanälen. In allen Medien. Denn Aufmerksamkeit ist die knappste und deshalb besonders heiß umkämpfte Ressource des multimedial zerstreuten ...
Kurz vor Toresschluss wurde es eng. So eng, dass eine «Ariadne» noch schnell umgekrempelt werden musste: Gleich mehrere Sänger, die für diese Repertoire-Serie vorgesehen waren, wurden abgezogen und durch Neueinkäufe ersetzt. Mehr als gedacht hatten sie mit parallel laufenden Premierenproben zu tun. Dann also lieber auf Nummer sicher gehen. Andere Intendanten mögen...
