Wenn Engel singen
Wie die meisten seiner italienischen Kollegen hat Johann Adolf Hasse nicht nur Opern, sondern auch geistliche Musik in beträcht -lichem Umfang komponiert. Fast ein halbes Jahrhundert lang stand der in Italien als «divino Sassone» verehrte Komponist in Verbindung mit dem Ospedale degli Incurabuli in Venedig, einem Waisenhaus für Mädchen und junge Frauen, die in dieser Einrichtung fundierten Musikunterricht erhielten und durch ihr eminentes Können in öffentlichen Veranstaltungen ein internationales Publikum in Staunen versetzten.
In der Kirche San Salvatore führten die Musikerinnen in der Karwoche Psalmvertonungen auf, denen jeweils ein Oratorium voranging. Wohl Mitte der 1730er-Jahre schrieb Hasse zu diesem Anlass sein lateinisches Oratorio a 6 voci con stromenti «Serpentes ignei in deserto». Die «feurigen Schlangen in der Wüste» sind, so steht es im 4. Buch Mose, eine Strafe Gottes für jene Israeliten, die sich auf dem langen Marsch durch die Wüste zum gelobten Land gegen ihn und Mose auflehnten. In seiner Not wandte sich das Volk Israel an Mose, um von dieser Plage erlöst zu werden. «Und der HERR sprach zu Mose: Mach dir eine Feuerschlange und häng sie an einer Stange auf! Jeder, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Medien, Seite 24
von Thomas Seedorf
Als die deutsche Armee im Juni 1940 in Paris einmarschierte, protokollierte Marcel Jouhandeau, sein Leben sei nie so tragisch gewesen wie an jenem Tag. Doch die Einschätzung des schwulen katholischen Romanciers, der 1933 einer Versammlung der kommunistischen Partei beiwohnte und André Gide applaudierte, wandelte sich zusehends. Zur Veröffentlichung der...
Stimmlich haben sich hier zwei gefunden: Seunghee Kho als Violetta Valery und Sung Min Song als Alfredo Germont geben, obschon beide eigentlich keine idealen Vertreter des Bel Canto, musikalisch ein prächtiges Paar ab. Eine exzellente Abstimmung mit dem Orchester hilft ihnen überdies; die Interimsspielstätte «Oper am Luisenpark» verfügt über eine schöne Balance...
Solange es große Kunst gab und große Künstler, die sie ermöglichten, so lange existierten immer auch jene Klischees, die eine Nähe zwischen Schöpfung und Schöpfer suggerierten. Bach war ein Sohn Gottes, Mozart ein Spielkind, Beethoven ein Wüterich, Chopin ein Melancholiker, Liszt ein Salonlöwe, Puccini ein Weiberheld – und Wagner ein übler Schnorrer. Auch im Fall...
