Zuschauer ihrer selbst
Statt Oper erst mal ein Klavierlied, statt der nicht existenten Ouvertüre zur «Bürgerlichen Komödie» zuerst einmal auf leerer Bühne das Kunststück «Cäcilie» op. 27 Nr. 2. Das hatte der 30-jährige Komponist 1894 seiner Ehefrau, der Opernsängerin Pauline de Ahna, zur Hochzeit geschenkt. Axel Ranisch verknüpft den hier im Opernparlando wuselnden realen Beziehungsstreit des Ehepaars Strauss, die Verwertung einer Jahre zurückliegenden Krise in Form einer autobiographisch frechen Realsatire, mit dem Erotisierend-Elegischen dieses besonderen Liedes.
Hochemotional, zugleich ironisch historisierend erzählt der Regisseur die als trivial verschriene, kaum wertgeschätzte, neuerdings aber wiederbelebte lyrische Schmonzette. Das Lied singt Maria Bengtsson, in der Oper ist sie Christine (alias Pauline), die Frau des Hofkapellmeisters Robert Storch (alias Strauss), am Flügel begleitet romantisierend der «Intermezzo»-Dirigent Patrick Hahn. Beiden gelingt der verführerischste Charme: «Wenn Du es wüsstest, / Was träumen heißt / Von brennenden Küssen, / Vom Wandern und Ruhen / Mit der Geliebten ...»
Die erotische Schwärmerei der «Cäcilie» sublimiert die vertonte Banalität. Anfang November 1924 ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Wolfgang Schreiber
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