Wenn die Masken fallen

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Angenommen, eine normale Saison wäre das gewesen, wobei: Was heißt das schon? Und trotzdem, ohne das C-Wort, ohne Politikerinnen und Politiker, denen Fußball und Friseure näher liegen als die Kultur, verpanzert im Schwarz-Weiß-Denken zwischen Zusperren und Totalerlaubnis, ohne dies alles hätten es folgende Ereignisse auch nach oben in die «OW»-Umfrage geschafft. Ein Münchner «Tristan», gedeutet von Kirill Petrenko am Pult des Bayerischen Staatsorchesters, der (wenn auch anders) an selige Carlos-Kleiber-Zeiten anknüpfte.

Eine Salzburger «Così fan tutte», die ohne  Prämissenschweiß von reinster, vielsagender, bestürzender Humanität kündete. Die Wiener Philharmoniker, denen mit ihrer «Elektra» unter Franz Welser-Möst ein Ideal-Strauss der kanalisierten, detailbewussten Kulinarik glückte. Und ein Jung-Bariton, Konstantin Krimmel, der auf dem Weg ist zur Weltkarriere.

Dass Covid-Schließungen zur Bildsprachlosigkeit zwangen, wurde während des Lockdowns widerlegt. Wobei einigen Intendantinnen und Intendanten nur langsam dämmerte, dass abgefilmtes Theater nicht mal als Ersatzlösung funktionieren kann. Gerade Promi-Häuser, so sie aus Frust oder Kreativitätsarmut nicht gleich ganz ...

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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 133
von Markus Thiel («Münchner Merkur», München)

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Ach, wie war es doch vordem / mit den Listen so bequem... Aber nichts ist mehr so, wie es einmal war, also auch nicht die übliche standardisierte Saison-Benotung aus Sichten, Einordnen, Nominieren, Zusammenzählen, Küren von Siegerinnen und Siegern.

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Ein Hauch von Transzendenz

Frühling 2019: Die nächste Spielzeit der Pariser Oper wird bekanntgegeben. Auf dem Programm steht ein neuer, von Calixto Bieito inszenierter «Ring», als Abschiedsgeschenk für Musikdirektor Philippe Jordan, der genauso wie Intendant Stéphane Lissner 2021 aus dem Amt scheidet. «Rheingold» und «Walküre» sollen im Frühling 2020 erklingen, «Siegfried» und...

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Vor einem Jahr war eben mein Buch über die digitale Revolution und über die Chancen und Risiken für die Kunst im Internet erschienen («World Wide Wunderkammer», Edition Körber). Vorschlag: das Internet nicht dem Unsinnigen und Hassenswerten zu überlassen, sondern es zu nutzen zur Ermöglichung ästhetischer Erfahrung, auch des Musiktheaters, und vielleicht...